20. Okt
2012

Tigi meets Kirgistan

Einmal mit einem Helden von Angesicht zu Angesicht plaudern können und ihm dabei noch die Flügel  zu schütteln. Tigi war schwer beeindruckt. Wir auch.

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): Kirgistan, Tigi meets..., Zentralasien

18. Okt
2012

Kyzyl Oi und die Sache mit den Pferden

Zu guter Letzt solls nochmals so richtig abgelegen werden, dachten wir uns. Und Kyzyl Oi wurde praktisch nicht beachtet in unserem Reiseführer, deswegen verdächtig gut. Die als einzig für wichtig befundene Information war, dass dieses Dörfchen schwierig zugänglich sei, da kein Taxifahrer wirklich Lust hat vier Stunden über holprige Strassen ins Niemandsland zu fahren.

Wir fanden einen, und mit dem Taxifahrer auch gleich die zwei notwendigen Mitfahrer. Mandy und Carsten aus Dresden. Der Taxifahrer hatte trotz gut (für ihn) ausgehandeltem Preis schlechte Laune. Sonntag, und da wollen ständig schwatzende Touris auch noch in den hinterletzten Ecken dieses Landes… Seine Laune besserte sich nicht, als wir auch noch eine Pipi- und Fotopause einlegen wollten. Endgültig vorbei war es dann, als das Auto nicht mehr richtig wollte. Aber merke: Taxifahrer = Mechaniker. Mit einem Plastiksack mal schnell den Schlauch für die Bremsflüssigkeit abgedichtet und mit einem noch viel saureren Fahrer weiter. Langsam aber sicher hätte sich das Dorf schon mal nähern können.

Im Kaff und unserer Gastfamilie angekommen, kamen wir kurz ins Staunen. Unsere Gastmutter sprach Deutsch. Mursa war früher Deutschlehrerin im Dorf, musste später dann aber auf Russisch umstellen. Das Deutsch ist ihr geblieben und so konnten wir beidseits mal alle wichtigen und unwichtigen Fragen kultureller Natur klären. Mursa schien nur auf einen Informatiker gewartet zu haben. Sie hätten in der Dorfschule nämlich einen Computerraum um Informatik zu unterrichten, jedoch würde kein einziger Computer mehr funktionieren. Tatatataa, hier war er, der Computerexperte. Mit dem Versprechen, sich die „Sache“ mal anzuschauen, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zur Schule. Und da standen sie, die kaputten Computer. Und der Drucker. Und der Kopierer. Wir schienen wichtig, denn sogar der nervöse Schuldirektor wuselte ständig um uns rum, als Pädi Computer für Computer unter die Lupe nahm. Auch die Hilfe der Assistentin (Kabel einstecken, Kabel ausstecken, Kabel umstecken, gescheit dreinschauen) brachte die Mission nicht zum Erfolg. Kein Computer war zu retten. Einzig der Drucker und der Kopierer liessen sich helfen. Mursa nahms gelassen, der Schuldirektor nicht.

Um nicht im Informatikraum zu versauern, überredeten wir lauffaulen Schweizer die lauffreudigen Deutschen, mit uns die Umgebung auf dem Pferd zu erkunden. Anfangs wollten sie ja nicht so recht, weil sie noch nie zuvor auf einem Pferd sassen. Als wir „erfahrenen“ Reiter dann aber von „die-trotten-bloss-dahin-Pferden“ sprachen, hatten wir sie im Sack. Was soll ich sagen… Auf diesem Ausritt hat wohl jeder mal jeden verflucht. Am meisten verfluchten wir den Guide. Und die Pferde. Gleich danach uns selbst. Der Guide wollte nicht, wir wollten, aber die Pferde wollten bestimmt nicht dahin wo wir hinwollten. Das Ganze endete mit blutigen Gesässen, laufenden Reitern, die die Pferde hinter sich herzogen und einem beleidigten Guide, der schon mal zwei Kilometer vorritt. Als nach ZEHN Stunden auf der Geraden zurück ins Dorf die Pferde auf einmal doch noch wollten und zu galoppieren begannen, wollten wir nicht mehr… Mandy und Carsten, sorry!

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): Kirgistan, Zentralasien

16. Okt
2012

Vielfältige Eselsfrisuren

Esel beim Song KölAls wir uns in Kochkor aufmachten zum Song Köl See, ahnten wir nicht, dass uns die kälteste Nacht unserer Reise bevorsteht. Dass der See auf gut 3000m liegt, war uns klar. Im staubigen, warmen Kochkor ging die Reservation einer Nacht in der Jurte am See noch ziemlich locker von der Hand, ohne Gedanken an kaltes Wetter. Als wir am See ankamen, stürzten wir uns jedoch ziemlich schnell in all unsere warmen Klamotten. „Wie kalt wird es denn so?“, fragen wir unsere Gastfamilie. „In der Nacht etwa -5 Grad“, war die Antwort. Zum Glück stand da ein Ofen in unserer Jurte!

Neben Schafen, Ziegen, Kühen und Pferden waren mit uns ausserdem die Bremer Stadtmusikanten in Vollbesetzung zu Gast am Song Köl. Neben Katzen in der Jurte fanden sich draussen Hunde, Hühner und (ganz zu Francescas Freude) jede Menge Esel mit lustigen Frisuren. Da gab es den Vokuhila-Esel, den zottligen Rasta oder einen mit lustigen Franseln. Allein wegen diesen gemütlichen Tieren hätte sich der Ausflug schon gelohnt, dazu kam noch das Postkarten-Panorama mit Jurten, See und Bergen. Da war das kalte Wetter bereits wieder vergessen.

An den drei Söhnen der Gastfamilie sahen wir, dass hier niemand reiten zu lernen braucht. Das tun sie schon fast seit Geburt. Schön nach Alter ritt der Zehnjährige mit dem Pferd quer durch die Gegend und der Fünfjährige trieb bereits stolz mit dem Esel die Kühe zusammen. Und wenn der 18-monatige unruhig bei der Mutter quängelte, gabs mit einem der älteren Brüder einen Ausritt auf Pferd oder Esel. Ein Fünfjähriger, der zusammen mit einem Kleinkind alleine auf dem Esel rumtrabt: In der Schweiz unvorstellbar. In Kirgistan übt jedoch schon früh wer ein Meister werden will. Um beim harten Nationalsport „Buzkashi“ mitzumischen, muss man ein begnadeter Reiter sein.

Buzkashi wird von etwa 20 Reitern gleichzeitig gespielt. Eine tote Ziege, oder ein Schaf ohne Kopf ist der „Spielball“. Es gilt den Körper während dem Reiten vom Boden aufzunehmen und an einem bestimmten Ort abzulegen. Gespielt wird jeder gegen jeden, anscheinend gibt es aber auch Team-Wettkämpfe. Um an die Ziege zu kommen ist alles erlaubt, was meist in Zusammenstössen mit den Pferden resultiert.

Leider hatten wir nie das Glück, bei einem solchen Spiel als Zuschauer dabei zu sein. Aber wäre nicht eine kleine Runde Buzkashi mal etwas für die OLMA-Arena?

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): Kirgistan, Zentralasien

13. Okt
2012

Bokonbayevo und der Tag des toten Hasen

Mit der Marshrutka gehts ans Südufer des Issyk Köl-Sees. Diesmal auf den Schleudersitzen der hintersten Reihe. Abgebremst wird nur, wenn wiedermal eine Herde Kühe, Esel, Hühner, Pferde oder Gänse die Strasse kreuzen. Aber immerhin haben wir von der hinteren Reihe die totale Übersicht.

In Bokonbayevo angekommen werden wir mal schleunigst ins letzte Jahrhundert zurückversetzt. Sympathisch. Das Dorf scheint nicht für Touristen ausgelegt. Noch sympathischer. Aber einen Homestay kriegen wir doch noch, sogar mit Plüsch-WC-Ring.

Was wollen wir in diesem Nest? Das ultimative, unauslassbare kirgisische Erlebnis – einem „Eagle Hunter“ über die Schultern schauen. Und in Bokonbayevo leben die Champs.

Google gibt mir leider keinen korrekten, deutschen Begriff für „Eagle Hunter“, also er spuckt bloss „Adlerjäger“ aus. Aber Adlerjäger sind Jäger, die Adler jagen. Soweit korrekt die Wortübersetzung, aber inkorrekt im Sinn der kirgisischen Kultur. „Eagle Hunter“ in Kirgistan sind Männer, die in den Bergen junge Adler aus dem Nest der Mütter klauen, diese aufziehen und als Familienmitglied betrachten und zu gegebener Zeit trainieren, Füchse, Hasen und ganz selten Wölfe zu jagen. So.

Wir stellten Kontakt her zu Talgar und seiner neunjährigen Adlerdame Tumara (die zweimaligen kirgisischen Meister) und verabredeten uns für den nächsten Tag. Eine Jagddemonstration soll stattfinden.

Naiv bestiegen wir am nächsten Tag Talgars alten, rostigen VW. Pädi bekam den Sitz vorne, um den ich ihn manchmal beneide. Doch an diesem Tag hätte ich um keinen Preis dort sitzen wollen. Dort sass nämlich Schnufi, das Demonstrationsopfer, das während der Fahrt an Pädis Füssen schnüffelte. Unser schlechtes Gewissen plagt uns jetzt noch…

Wie dem auch sei: Schnufi wurde auf dem Lande auf den Boden gesetzt, Talgar stieg mit der imposanten Adlerdame den Hügel hoch, dort bekam sie vom Chef noch die letzten Anweisungen und dann flog sie los. Sie krallte sich Schnufi und wartete, bis ihr Chef auch vor Ort war, um ihr die Erlaubnis zu erteilen das Häschen zu verspeisen. Weitere blutrünstige Details dieses Erlebnisses lass ich mal besser weg.

Von Francesca | 2 Kommentare | Kategorie(n): Kirgistan, Zentralasien

11. Okt
2012

Mensch gegen Maschine: Pädi gegen Hightech-Dusche

Hightech DuscheIn einer kirgisischen Kleinstadt (in der wohlbemerkt nirgendwo Internetzugang zu finden ist) sehe ich mich plötzlich mit einem hochtechnologisierten Herausforderer konfrontiert. Terminator, Robocop und HAL 9000 sind nichts gegen die Hightech Dusche, der ich in unserem Guesthouse gegenüberstehe. „Mit einem abgeschlossenen Informatik-Studium wird man doch auch mit dieser Dusche fertig“, höre ich im Hinterkopf schon Francesca quaken. Also keine Blösse zeigen. Neben dem mit Knöpfen bestückten Elektro-Panel und den beiden Knäufen sind da schliesslich nur noch die normale Brause, Düsen an der Wand und eine grosse Brause an der Decke. Don’t Panic, Pädi.

Runde eins
Ein grosser und ein kleiner Knauf. So schwierig kann es ja wohl nicht sein. Ich drehe also am grossen Knauf 1. Dieser landet mit einem lauten Knall am Boden, ansonsten passiert nichts. Also Knauf 1 wieder festmachen und am kleinen Knauf 2 drehen. Da kommen ein paar Tropfen – olé olé! Doch zu früh gefreut, trotz energischem Drücken, Ziehen und Drehen gibts kein Wasser für Pädi.

Runde zwei
Wohl oder übel muss ich mich dem elektronischen Panel mit den vielen Knöpfen widmen. Aha, ON/OFF natürlich! Kennt man ja vom Kompiuter ne, da drück ich mal. Ausser dass es jetzt rot und blau auf dem Panel blinkt, passiert rein gar nix. Die anderen Knöpfe sind bebildert mit Symbolen von Glühbirne, Telefon, Musiknoten und Ventilator. Ja, richtig gelesen, alles in einer DUSCHE! Nichts hat auch nur entfernt mit Wasser zu tun, die Aussichten auf Erfolg stehen also ziemlich schlecht. Verzweifelt probiere ich mich durch. Die Musiknoten lassen ein Radio-Rauschen ertönen, der Ventilator setzt sich in Gang und beim Druck auf die Glühbirne blenden mir die LED-Lichter an der Wand ins Gesicht. Vor der Telefon-Taste zögere ich. Setzt es da etwa einen Notruf ab: „Hilfe, ich bin zu blöd für die Dusche“? Ich drücke nix mehr aus Angst mich zu blamieren.

Runde drei
Ich stehe noch immer nackig und furztrocken in dieser Ausgeburt der Technik-Hölle. Alles leuchtet und blinkt, aber kein Tropfen Wasser zeigt sich. Es bleibt nur noch ein Ausweg. Ich mache das, was jeder tut, der vor einem technischen Gerät kapituliert bevor er gewaltsam darauf einschlägt. Ich drücke wie ein Vollidiot auf alles was irgendwie leuchtet und blinkt. Nichts passiert und ich weiss nicht mehr weiter. Doch plötzlich, kurz bevor ich verzweifelt rufe „Francesca, die Dusche mag mich nicht“, kippe ich Knauf 1 nach oben. Wasser spritzt aus der Brause! Eiskalt wie direkt vom Gletscher, aber hey: WASSER HURRA!

Runde vier
Wer nun denkt, ich hätte den Kampf gewonnen, irrt sich gewaltig. Die Dusche bäumt sich nochmals auf und holt zum Tiefschlag aus. Als ich die Temperatur verstellen möchte, versiegt der Strahl aus der Brause und aus den 10 Düsen an der Wand spritzt es mir eiskalt zwischen die Beine. In Panik drehe ich Knauf 2 in die andere Richtung, da regnet es Eiswasser von der Decke. Mit letzter Kraft kalibiriere ich Knauf 2 wieder in die Mitte. Nachdem ich den ersten Knauf nochmals gewaltsam abreisse und wieder festmache, lässt sich damit doch tatsächlich die Temperatur verstellen. Das warme Wasser plätschert mir ins Gesicht, ich reisse meine Fäuste in die Luft und rufe „Siiiieg!“. Ein verdienter Sieg durch K.O.!

Da lob ich mir doch die andernorts angetroffene, kirgisische Dusche vom Modell „Simple but works“:

Kirgisische Dusche

Von Pädi | 8 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein, Kirgistan, Zentralasien