10. Sep
2012

Der Prinz und der Ochse – Ein Gastbeitrag

Die langen Fahrten durch die Mongolei waren nebst der schönen Landschaft in der Tat wenig unterhaltsam. So kam es, dass ich ab und zu den Märchenonkel mimte und meinen Weggefährten aus Grimms Märchen vorlas. Anscheinend imponierte dies Nina & Reto sehr, wie ihrem nachfolgenden Gastbeitrag anzumerken ist. Danke für den Beitrag!


Der Prinz und der OchseDer Ausflug in den Terelj Nationalpark begann für den Prinzen nicht so komfortabel wie gedacht. Um zu seiner temporären Yurte zu gelangen, musste der feine Herr statt der erhofften weissen Kutsche einen Ochsenwagen besteigen. Als Begrüssung entleerte der stattliche Ochse seinen Darm über des Prinzen Proviantsack. Stellt euch nur des Prinzens Gesicht vor! Die Fahrt ging weiter über einen tosenden Fluss, so dass der Prinz trotz Füsse hochheben nass wurde. Nach dieser Strapaze folgten zahlreiche Pfützen und Schlammlöcher, die allesamt dem Prinzen Seufzer der Empörung entlockten. Noch nicht genug, oh Schreck, ein Gepäckstück fiel vom Wagen! Zum Glück war es nicht des Prinzens Tasche, denn sonst wäre der Tag wohl nicht mehr zu retten gewesen.

Endlich in der Yurte angekommen, wurden die vier Gefährten von den einheimischen Nachbarn mit ihrem Nationalgetränk begrüsst. Nach der ersten Flasche Vodka heiterte sich die Stimmung des Prinzen langsam. Nach der zweiten brachte er ein Kind zum weinen (aber wer heisst auch schon Much Billig?!?), nach der dritten erwachte der Mann in ihm und er sammelte Feuerholz. Nach der vierten Flasche versuchte er erfolglos ein Baby-Yak zu fangen und nach der fünften machte er sich ans Feuermachen und verkündete stolz wie Tom Hanks in Castaway: „Ich habe Feuer gemacht“.

Danke euch beiden für die gute Zeit und dir Francesca fuer die super Betreuung an besagtem Nachmittag!

Die Gastautoren (Nina & Reto)

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): Mongolei, Nordostasien

8. Sep
2012

Quer durch Chinggis Khaans Land

Mehrere Tage ohne Dusche, nur stinkende Plumpsklos und viele Stunden im unbequemen Mitsubishi Minibus über Stock und Stein holpern, um die Weiten der Mongolei zu erkunden. Wie kann man sich dies nur antun? Nun, vieles auf unserer Tour trug dazu bei, dass die Zeit in der Mongolei mit zu dem Besten bisher auf unserer Reise zählt. Da gab es zum Beispiel Sternschnuppen en masse, die uns vor der Jurte sitzend am sternenklaren Himmel präsentiert wurden. Oder dann war da der Moment, als wir vier uns plötzlich am heiteren Nachmittag mit unseren mongolischen Jurten-Nachbarn beim gegenseitigen Vorsingen einheimischer Lieder vorfanden. Gerne „Det enä am Bärgli“ oder doch lieber „Chrücht es Schneggli“ im Vierer-Kanon? Ganz schön anzusehen waren ausserdem die vielen Edelweiss, die in der Mongolei gleich felderweise spriessen. In der Schweiz gehören sie zu den geschützten Pflanzen, hier lässt man sein Pferd sein Geschäft drauf verrichten.

Auf der Tour wurde es ab und zu ziemlich abenteurlich, besonders bei den Flussüberquerungen. Der Ablauf war immer derselbe. Unser Fahrer stösst erst einen tiefen Seufzer aus, steigt aus dem Wagen und entledigt sich seiner Hosen. Einmal durch das Wasser gewatet, zurück in den Wagen, wohl einmal still ein Om gebetet und ab durch den Fluss. Wir spendeten immer grossen Applaus nach jeder Überquerung, denn er meisterte diese immer bravourös. Andere Touren hatten da weniger Glück. Eine Reisegruppe blieb gleich zweimal kurz nacheinander mit ihrem russischen Qualitätsfahrzeug im Fluss stecken. Der Wagen füllte sich langsam mit Wasser und die Reisenden mussten sich und ihr Gepäck vor dem Fluss retten bevor das Fahrzeug aus dem Fluss geschleppt werden konnte. Für uns wars fieserweise unterhaltsam („guck mal ein U-Boot im Fluss“) und so erfreuten wir uns auf der Weiterreise der trockenen Innenausstattung unseres Mitsubishis.

Übrigens: Dass die grosse Ziegen- und Schafsherde von Baldandorj so pflegeleicht ist, hätten wir nicht erwartet. Da war das Treiben selbst für uns Schafshirten-Laien einfach:

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): Mongolei, Nordostasien

5. Sep
2012

Nomadenleben

Nun gings also endlich los, ab in die Steppe. Nachdem unser Fahrer im Nirgendwo sich Orientierungstipps von anderen Jurten geholt hatte (rechts, dann geradeaus und hinten nach dem nächsten Hügel links vom Flussverlauf – oder so), fanden wir dann auch unsere Gastnomadenfamilie für die nächsten Tage. Nachdem grundlegende Fragen geklärt wurden (WC? Überall wo du willst.), ging es ans Kennenlernen.

Baldandorj: eine mächtige Gestalt, Herr der Jurte mit Flachmann und stolzer Besitzer von 1000 Tieren und einem Motorrad, Fröhlichkeit in Person.

Chimgee: die „Krampferin“ schlechthin, Versorgerin der Jurte, vor allem an der Geissenmilchmenge der Schweizer Ziegen interessiert.

Amina: Nesthäkchen der Jurte, Lady mit Outfit für jeden Tag, Schafsknochenspielmeisterin.

Azaa: das schutzlige Energiebündel, Cousin aus der Stadt zu Besuch in der Jurte, von uns liebevoll „Atze“ genannt, fast täglich beschwipst vom Airag.

So ganz unnütz wollten wir die Zeit ja nicht in der Jurte verbringen, deswegen wurde unsere tägliche Aufgabe die Wasserbesorgung. Flussverlauf hochgehen, Wasserabschöpfstelle finden, in Karnister abfüllen, zurücktragen. Dazwischen konnten wir uns im Melken der Kühe versuchen (die haben einen Minieuter, aber hey, ein paar Tropfen lagen drin), im Hügel erkunden (welchen sollen wir heute nehmen – diesen, diesen oder den da?), mit Baldandorj auf dem Motorrad die Herde „umdrehen“ (Ziegen und Schafe checken nicht, wann sie auf Nachbars Wiese fressen), beim Kochen helfen (mongolische Teigtaschen nach Schweizer Art), Airag stampfen (um Himmels Willen, es „süürelet“ und riecht wieder nach… kindlicher Magenentleerung), die Kinder unterhalten (Schafsknochenspiel? Schafsknochenspiel!), beim Melken der Pferdestuten zuschauen (und im Anschluss die Blümchenmilch in null komma nix runterstürzen – gut für die Verdauung), die verirrte Herde zu Fuss in die richtige Richtung treiben (hüü, hopp).

Zu oberst auf der Highlightliste der Jungs dürfte der Airag gestanden haben. Nachdem die korrekte Aussprache geübt wurde (sprich: „Airag“),  liessen es sich die Herren natürlich nicht nehmen, täglich mehrmals von der frisch vergorenen Stutenmilch zu kosten und mit Baldandorj anzustossen. Uns Frauen wäre der Airag ja nicht verwehrt worden, aber er ist und bleibt Geschmackssache. Uns war der Airag lieber auf dem Jurtendach; dort landete er nämlich mehrmals während unseres Aufenthaltes. Dank einer Solarzelle hatte die Familie nämlich TV-Empfang und so wurden wir Zuschauer des olympischen Judowettkampfes. Kurz vor jedem Kampf des mongolischen Judoka rannte Baldandorj mit einem Gläschen Airag nach draussen und machte mit den Glücksgöttern schon mal alles klar. Ob der Airag Schuld an der olympischen Silbermedaille für die Mongolei war?

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): Mongolei, Nordostasien

2. Sep
2012

Tigi meets Mongolei

Mein Land, meine Hütte, meine Schnitte… ähm… junge Geiss. Was will man (Tigi) mehr?

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): Mongolei, Nordostasien, Tigi meets...

29. Aug
2012

Darf ich vorstellen: Unsere neuen Reisegspänli

„Fährt ihr auch in die Mongolei?“ Diese erste Kontaktaufnahme mit Nina & Reto beim Anstehen für das Visum vor der Mongolischen Botschaft in Beijing wirkte wohl etwa so plump wie wenn der Sitznachbar im Flugzeug fragen würde: „Fliegen sie auch nach Zürich?“. Unsere Frage war natürlich nicht ganz ohne Hintergedanke. Bucht man in der Mongolei eine Tour zu viert, kommt man pro Person um einiges günstiger als zu zweit. So verhielten wir uns den beiden Schweizern gegenüber besonders nett, viel netter als wir charmanten zwei sonst schon sind. Unsere Masche zog, die beiden sagten uns für die Tour zu. Also gings los zusammen mit Nina aus dem Züri Oberland („Mönchi“) und Reto aus St. Moritz.

Später sollte sich herausstellen, dass die beiden zuerst doch ein wenig skeptisch waren. „So nett ist doch niemand, die sind bestimmt von einer religiösen Sekte und wollen uns bekehren oder vielleicht ein fieses Mörderpärchen“, dachten sie sich. Nein meine Lieben, wir fanden euch einfach sehr sympathisch (und, ähm, wir wollten Geld sparen). Schnell stellte sich heraus, dass wir gar nicht so schlechte Reisegspänli ausgewählt hatten. Es gab viel Gesprächsstoff: Die beiden reisten zuvor ein halbes Jahr durch Süd-, Mittelamerika und Alaska und mit den „gemischten Gefühlen“ den Chinesen gegenüber hatten wir bereits eine weitere Gemeinsamkeit. Mit ziemlich ähnlichen Ansichten über das Reisen gabs wenig Konfliktpotential und wir verbrachten drei Wochen in der Mongolei mit den sympathischen beiden.

Natürlich mussten unsere Reisegspänli irgendwann auch mal bemerken dass wir nicht nur eine nette Seite haben. So brachte ich ihnen arschige Sprüche bei wie „Das kann unmöglich mein Problem sein“ oder „Tja, für mich stimmt’s.“. Und obwohl die beiden erst über „all die langweiligen Reiseblog-Schreiber“ lästerten („Ach ihr habt einen Reiseblog? Der ist bestimmt mega interessant.“), war Nina eines Tages nach ein paar Schlückchen mongolischen Vodkas plötzlich ganz angetan von der Idee, einen Gastbeitrag auf unserem Blog zu veröffentlichen. Man darf also gespannt sein.

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): Allgemein, China, Mongolei, Nordostasien