11. Okt
2012

Mensch gegen Maschine: Pädi gegen Hightech-Dusche

Hightech DuscheIn einer kirgisischen Kleinstadt (in der wohlbemerkt nirgendwo Internetzugang zu finden ist) sehe ich mich plötzlich mit einem hochtechnologisierten Herausforderer konfrontiert. Terminator, Robocop und HAL 9000 sind nichts gegen die Hightech Dusche, der ich in unserem Guesthouse gegenüberstehe. „Mit einem abgeschlossenen Informatik-Studium wird man doch auch mit dieser Dusche fertig“, höre ich im Hinterkopf schon Francesca quaken. Also keine Blösse zeigen. Neben dem mit Knöpfen bestückten Elektro-Panel und den beiden Knäufen sind da schliesslich nur noch die normale Brause, Düsen an der Wand und eine grosse Brause an der Decke. Don’t Panic, Pädi.

Runde eins
Ein grosser und ein kleiner Knauf. So schwierig kann es ja wohl nicht sein. Ich drehe also am grossen Knauf 1. Dieser landet mit einem lauten Knall am Boden, ansonsten passiert nichts. Also Knauf 1 wieder festmachen und am kleinen Knauf 2 drehen. Da kommen ein paar Tropfen – olé olé! Doch zu früh gefreut, trotz energischem Drücken, Ziehen und Drehen gibts kein Wasser für Pädi.

Runde zwei
Wohl oder übel muss ich mich dem elektronischen Panel mit den vielen Knöpfen widmen. Aha, ON/OFF natürlich! Kennt man ja vom Kompiuter ne, da drück ich mal. Ausser dass es jetzt rot und blau auf dem Panel blinkt, passiert rein gar nix. Die anderen Knöpfe sind bebildert mit Symbolen von Glühbirne, Telefon, Musiknoten und Ventilator. Ja, richtig gelesen, alles in einer DUSCHE! Nichts hat auch nur entfernt mit Wasser zu tun, die Aussichten auf Erfolg stehen also ziemlich schlecht. Verzweifelt probiere ich mich durch. Die Musiknoten lassen ein Radio-Rauschen ertönen, der Ventilator setzt sich in Gang und beim Druck auf die Glühbirne blenden mir die LED-Lichter an der Wand ins Gesicht. Vor der Telefon-Taste zögere ich. Setzt es da etwa einen Notruf ab: „Hilfe, ich bin zu blöd für die Dusche“? Ich drücke nix mehr aus Angst mich zu blamieren.

Runde drei
Ich stehe noch immer nackig und furztrocken in dieser Ausgeburt der Technik-Hölle. Alles leuchtet und blinkt, aber kein Tropfen Wasser zeigt sich. Es bleibt nur noch ein Ausweg. Ich mache das, was jeder tut, der vor einem technischen Gerät kapituliert bevor er gewaltsam darauf einschlägt. Ich drücke wie ein Vollidiot auf alles was irgendwie leuchtet und blinkt. Nichts passiert und ich weiss nicht mehr weiter. Doch plötzlich, kurz bevor ich verzweifelt rufe „Francesca, die Dusche mag mich nicht“, kippe ich Knauf 1 nach oben. Wasser spritzt aus der Brause! Eiskalt wie direkt vom Gletscher, aber hey: WASSER HURRA!

Runde vier
Wer nun denkt, ich hätte den Kampf gewonnen, irrt sich gewaltig. Die Dusche bäumt sich nochmals auf und holt zum Tiefschlag aus. Als ich die Temperatur verstellen möchte, versiegt der Strahl aus der Brause und aus den 10 Düsen an der Wand spritzt es mir eiskalt zwischen die Beine. In Panik drehe ich Knauf 2 in die andere Richtung, da regnet es Eiswasser von der Decke. Mit letzter Kraft kalibiriere ich Knauf 2 wieder in die Mitte. Nachdem ich den ersten Knauf nochmals gewaltsam abreisse und wieder festmache, lässt sich damit doch tatsächlich die Temperatur verstellen. Das warme Wasser plätschert mir ins Gesicht, ich reisse meine Fäuste in die Luft und rufe „Siiiieg!“. Ein verdienter Sieg durch K.O.!

Da lob ich mir doch die andernorts angetroffene, kirgisische Dusche vom Modell „Simple but works“:

Kirgisische Dusche

Von Pädi | 8 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein, Kirgistan, Zentralasien

25. Sep
2012

Ein reisendes Jahr

Wir feiern Jubiläum! Bereits ein (1) ganzes Jahr sind wir nun unterwegs und noch kein bisschen müde – vielleicht allerhöchstens ein klitzkleines bisschen… Viel erlebt, viel gegessen, viel verdaut (oder auch nicht), viel probiert, ab und zu gescheitert, aber stets wieder aufgestanden, gemeistert und genossen. Ein tolles Jahr.

 

Von Francesca | 5 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein

19. Sep
2012

Bericht aus der Ferne für den VBC Andwil-Arnegg

Für das VBC Andwil-Arnegg Clubblättli 2012 habe ich aus der Ferne einen Gastbeitrag geschrieben. Ich hatte Nina natürlich exklusive Rechte für die Erstpublikation zugesichert. :-) Darum erscheint der Text erst jetzt hier auf unserem Blog, obwohl er schon Anfang Juli getippt wurde. Unterdessen haben wir China und die Mongolei bereits hinter uns gelassen, viel Spass trotzdem beim lesen..


Hallo VBC A-A

Job und Wohnung kündigen, Hab und Gut auf Rucksackgrösse reduzieren und für unbeschränkte Zeit auf Reisen gehen. Manche brechen bei dem Gedanken in Panik aus, andere kommen ins Schwärmen. Francesca und ich gehören zur zweiten Gruppe. Für uns war eine Reise um die Welt seit langer Zeit das erklärte Ziel. Im September 2011 starteten wir in Zürich und sind unterdessen durch Brasilien, Paraguay, Uruguay, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Panama, Costa Rica, Belize und Mexiko gereist. Nach einem Zwischenstopp in San Francisco bestiegen wir das Flugzeug nach Hong Kong und bereisen nun China. Der Rest der Reise ist noch ungeplant, wir liebäugeln als nächstes mit einer Tour durch die Mongolei. Keine Angst, die „Planlosigkeit“ ist Normalzustand für uns – ich nenne es „agiles Reisen“ was wir betreiben.

Als mir Nina schrieb, ob ich nicht etwas von unserer Reise fürs VBC A-A Clubblättli schreiben könne, sagte ich natürlich zu. Wir gingen schliesslich zusammen in Andwil zur Schule und lernten bei Richi Stolz Volleyball spielen – wie könnte ich da Nein sagen? Ach ja, falls mich ein Lesender nicht kennt: Ich war bis vor einiger Zeit selbst im VBC A-A aktiv. Dank hunderten Turnhallen-Stunden habe ich jetzt hier die Ehre. Okay, wo fange ich an..?

Vor unserer Reise stellten wir fest, dass wir uns nicht auf eine fixe Route festlegen wollten. Was, wenn wir irgendwo mehr Zeit brauchen als angenommen oder plötzlich Lust auf andere Destinationen bekommen? Ausserdem waren wir ehrlicherweise einfach zu faul, um uns mit langwieriger Recherche schon vor Reisebeginn auseinanderzusetzen. Mal losgereist, hatten wir schliesslich alle Zeit der Welt. So schauten wir als Vorbereitung nach der besten Reise-Jahreszeit in unseren favorisierten Destinationen und kauften einen Stapel Lonely Planet Reiseführer. In Zentralasien hätte der tiefe Winter gewartet, in Südamerika war warmer Sommer. Somit war die Richtung um die Erdkugel festgelegt und der Flug nach Brasilien gebucht… Mit unseren Erlebnissen möchte ich nun nicht ins Detail gehen, darum hier ein paar Highlights, die ich nicht missen möchte.

Durch einen der allerschönsten Nationalparks, Torres del Paine in Chile wandern. Das beste Rindfleisch der Welt in Argentinien und Uruguay essen. Mit zitternden Knien zum Barbier in Bolivien gehen. Überrascht entdecken dass die peruanische Küche schlicht weltklasse ist. Unter tausenden Pinguinen an der Küste bei Punta Tombo rumwatscheln. In jedem Land von Leuten angestarrt werden, als ob sie noch nie einen Menschen über 1.90m gesehen hätten. Die ganze Palette spanischer Fluchwörter hören beim Lucha Libre Wrestling in Guadalajara. Mit runtergeklapptem Kiefer vor Naturwundern wie den Iguazu Wasserfällen oder dem Salar de Uyuni stehen. Riesige Eisbrocken vom Perito Moreno Gletscher abbrechen und in die Tiefe stürzen sehen. Im Zentrum einer kleinen Insel in Panama auf Kuna Yala Indianer treffen, die in Flipflops auf einem Feld aus Beton Volleyball spielen. Mit den (x-mal verfluchten) Touristenmassen die neuen Weltwunder wie Cristo Redendor, Machu Picchu oder Chichén Itza besuchen. Kaum zu übertreffenden Kaffee in Kolumbien trinken. Noch nie gesehene Tiere im Amazonas und in Costa Rica beobachten. Mich zum achtundfünfzigsten Mal im Restaurant fragen: „Was hab ich hier bestellt? Das ist verdammt lecker!“

Schön an einer Reise zu zweit ist, dass man nicht nur die schönen Erlebnisse, sondern auch die harte Arbeit (oh ja, auch die gibt es) teilen kann. Beispielsweise sucht jemand die nächste Unterkunft, der andere recherchiert für den Transport. Bei Uneinigkeiten wird demokratisch abgestimmt (geht immer schief zu zweit) und derjenige mit dem härteren Kopf gewinnt. So sind wir unterdessen ein eingespieltes Reiseteam. Langweilig wird es nie, da es immer Neues zu sehen und zu planen gibt. Dank Skype und E-Mail funktioniert zudem die Verbindung nach Hause zu Familie und Freunden wunderbar – mit jedem Kontakt in die Schweiz reduziert sich das Heimweh wieder ein wenig. Eine solche Reise zu wagen würde ich jedenfalls jedem empfehlen – jeder Tag ist wieder ein kleines Abenteuer und lehrt einem ein grosses Stück Leben.

Wann kommen wir denn wieder zurück in die Schweiz? Ein Datum können wir nicht nennen, wir möchten jedoch Weihnachten wieder daheim feiern. Bis Ende Jahr schicken wir bis dahin liebe Grüsse aus der weiten Ferne in die Schweiz!

Pädi (mit Francesca und Tigerente)

Von Pädi | 2 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein

29. Aug
2012

Darf ich vorstellen: Unsere neuen Reisegspänli

„Fährt ihr auch in die Mongolei?“ Diese erste Kontaktaufnahme mit Nina & Reto beim Anstehen für das Visum vor der Mongolischen Botschaft in Beijing wirkte wohl etwa so plump wie wenn der Sitznachbar im Flugzeug fragen würde: „Fliegen sie auch nach Zürich?“. Unsere Frage war natürlich nicht ganz ohne Hintergedanke. Bucht man in der Mongolei eine Tour zu viert, kommt man pro Person um einiges günstiger als zu zweit. So verhielten wir uns den beiden Schweizern gegenüber besonders nett, viel netter als wir charmanten zwei sonst schon sind. Unsere Masche zog, die beiden sagten uns für die Tour zu. Also gings los zusammen mit Nina aus dem Züri Oberland („Mönchi“) und Reto aus St. Moritz.

Später sollte sich herausstellen, dass die beiden zuerst doch ein wenig skeptisch waren. „So nett ist doch niemand, die sind bestimmt von einer religiösen Sekte und wollen uns bekehren oder vielleicht ein fieses Mörderpärchen“, dachten sie sich. Nein meine Lieben, wir fanden euch einfach sehr sympathisch (und, ähm, wir wollten Geld sparen). Schnell stellte sich heraus, dass wir gar nicht so schlechte Reisegspänli ausgewählt hatten. Es gab viel Gesprächsstoff: Die beiden reisten zuvor ein halbes Jahr durch Süd-, Mittelamerika und Alaska und mit den „gemischten Gefühlen“ den Chinesen gegenüber hatten wir bereits eine weitere Gemeinsamkeit. Mit ziemlich ähnlichen Ansichten über das Reisen gabs wenig Konfliktpotential und wir verbrachten drei Wochen in der Mongolei mit den sympathischen beiden.

Natürlich mussten unsere Reisegspänli irgendwann auch mal bemerken dass wir nicht nur eine nette Seite haben. So brachte ich ihnen arschige Sprüche bei wie „Das kann unmöglich mein Problem sein“ oder „Tja, für mich stimmt’s.“. Und obwohl die beiden erst über „all die langweiligen Reiseblog-Schreiber“ lästerten („Ach ihr habt einen Reiseblog? Der ist bestimmt mega interessant.“), war Nina eines Tages nach ein paar Schlückchen mongolischen Vodkas plötzlich ganz angetan von der Idee, einen Gastbeitrag auf unserem Blog zu veröffentlichen. Man darf also gespannt sein.

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): Allgemein, China, Mongolei, Nordostasien

5. Mai
2012

Oh, wie schön ist Panama

Was denn das Ganze mit der Tigerente soll, hat anscheinend noch nicht jeder ganz verstanden. Und was wir da von kleinem Tiger und kleinem Bär schreiben schon überhaupt nicht.

Nun, da gibt es das wunderbare Kinderbuch von Janosch mit dem Titel „Oh, wie schön ist Panama“, das von den dreien handelt. Die Geschichte erzählt auf schöne Weise, warum wir in die weite Welt verreisen sollen – und warum es daheim so schön ist. Da Francesca schon auf früheren Reisen von Tigi begleitet wurde, durfte sie auch jetzt nicht fehlen und hat sogar eine eigene Blog-Rubrik gekriegt.

Hier also die Geschichte in zwei Videos mit den Original-Bildern erzählt. Wer „Oh, wie schön ist Panama“ tatsächlich nicht kennt, sollte sich damit unbedingt weiterbilden.

Hier geht die Geschichte weiter und mit einer schönen Moral zu Ende:

Von Pädi | 2 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein, Mittelamerika, Panama, Tigi meets...