29. Sep
2012

Sag mal quietschts?

Labrang MonasteryIn Xiahe werden wir am frühen Morgen geweckt von Quietschen in regelmässigen Abständen. Den Grund dafür haben wir mit einem Blick aus dem Fenster schnell ausgemacht. Direkt vor unserem Hostel liegt das grösste tibetische Kloster ausserhalb Tibets, und da läuft was den ganzen Tag über. Um das Kloster herum verläuft ein Pilgerweg mit über 1700 Gebetsmühlen. Da diese quietschenden Dinger bewegt werden wollen, gehen die tibetischen Buddhisten um das Kloster und halten die schön bemalten Holzbehälter in Schwung. Dass ein Tropfen Öl manch einer Gebetsmühle gut tun würde, scheint jedoch keinen der Mönche und Pilger zu stören.

Unser Besuch im Labrang Kloster gehörte für mich zu den Highlights unserer China-Reise. Einen Tempel voller Mantras betender Mönche erlebt unsereins schliesslich nicht alle Tage. Die praktizierenden Mönche stehen in einem krassen Gegensatz zu den nach meinem Eindruck komplett unspirituellen Chinesen. Und obwohl sich mir Buddhismus-Banause die Zusammenhänge der Erklärungen nicht immer ganz erschlossen, lauschte ich interessiert den Erzählungen über Stupas, Mantras, Buddhas und Karma. Einziger Wehmutstropfen im Kloster war eine mit Schweizern und Deutschen gemischte Reisegruppe, die mit uns zusammen an der Führung teilnahm. Gewisse Personen zeigten weder Anstand noch Respekt und knipsten die Mönche ohne Rückfrage aus nächster Nähe wie Tiere im Zoo. Wir hatten sehr viel zu tun mit fremdschämen.

Unserem Führer-Mönch durch das Kloster waren wir zwei anscheinend sympathisch (kein Wunder neben der knipsenden Meute auf Mönch-Safari), denn er nahm uns zwischendurch kurz zur Seite. Nicht sehr ausführlich aber kurz und prägnant schilderte er uns flüsternd einige Dinge, die der chinesische Regierung keine Sympathiepunkte einbringen. Mit den schönen Eindrücken bleiben so bei uns auch gemischte Gefühle zurück, die besonders den Umgang der Chinesen mit ihren Minderheiten betreffen.

Wir wanderten zum Abschluss einmal den grossen Pilgerweg mit dem schönen Ausblick auf das Kloster, natürlich brav im Uhrzeigersinn. Und mit einem typisch tibetischen Mahl bestehend aus Momos, Tsampa und Buttertee verabschiedeten wir uns aus der Region.

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien

27. Sep
2012

In tibetischer Hand in Langmusi

Ziel unseres zweiten Aufenthaltes in China war es unter anderem, den tibetisch beeinflussten Dörfern ausserhalb von Tibet einen Besuch abzustatten. Tibet selbst liegt momentan nicht drin, irgendwelche Einreisebeschränkungen verunmöglichen/erschweren das gerade.

Über die Grossstadt Lanzhou, unserem Dreh-und Angelpunkt mit den besten Beefnoodles von China, gings erstmals mit einem Bus ins Hochland. Kurz vor Langmusi kündigte ein RIESIGES Polizeigebäude im Bau die prekäre Lage zwischen den Tibetern und den Chinesen an. Sollte das Polizeigebäude einst mit Polizisten gefüllt werden (wovon wir ausgehen), hätte es dann wahrscheinlich mehr Polizisten als Dorfbewohner. So mal die Lage vorab. Nebst dem Polizeigebäude fiel uns auch auf, dass die Strasse ihres Names nicht würdig ist. Eher: holperiger Schlammpfad. Auch hier haben die Chinesen ganze Arbeit geleistet. Alles wird gerade aufgerissen und erneuert – der Massentourismus naht.

Kalt ists geworden, wir streckten uns nach jedem Sonnenstrahl aus und wärmten uns entweder bei den tibetischen Chinesen (ist das nun politisch korrekt?) mit Buttertee oder bei den muslimischen Hui-Chinesen mit dem „8 Schätze“-Tee. Yaks und deren Produkte gibts in jeder Ausführung, Pädis Augen leuchteten vor allem beim Yakburger…

Um nicht nur Tee zu trinken und Däumchen zu drehen, erkundeten wir die zwei buddhistischen Klosteranlagen. Man hätte auch noch die Überreste eines kürzlich verstorbenen Buddhisten besichtigen können.. Das Spezielle daran: der Körper wird auf dem Hügel aufgebahrt, dann kommen die Adler und lassen sich ihr Mahl schmecken. Übrig blieb bei diesem armen Tropf bloss noch der Kopf (wurde uns gesagt, überzeugen wollten wir uns nicht selbst).

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien

25. Sep
2012

Ein reisendes Jahr

Wir feiern Jubiläum! Bereits ein (1) ganzes Jahr sind wir nun unterwegs und noch kein bisschen müde – vielleicht allerhöchstens ein klitzkleines bisschen… Viel erlebt, viel gegessen, viel verdaut (oder auch nicht), viel probiert, ab und zu gescheitert, aber stets wieder aufgestanden, gemeistert und genossen. Ein tolles Jahr.

 

Von Francesca | 5 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein

19. Sep
2012

Bericht aus der Ferne für den VBC Andwil-Arnegg

Für das VBC Andwil-Arnegg Clubblättli 2012 habe ich aus der Ferne einen Gastbeitrag geschrieben. Ich hatte Nina natürlich exklusive Rechte für die Erstpublikation zugesichert. :-) Darum erscheint der Text erst jetzt hier auf unserem Blog, obwohl er schon Anfang Juli getippt wurde. Unterdessen haben wir China und die Mongolei bereits hinter uns gelassen, viel Spass trotzdem beim lesen..


Hallo VBC A-A

Job und Wohnung kündigen, Hab und Gut auf Rucksackgrösse reduzieren und für unbeschränkte Zeit auf Reisen gehen. Manche brechen bei dem Gedanken in Panik aus, andere kommen ins Schwärmen. Francesca und ich gehören zur zweiten Gruppe. Für uns war eine Reise um die Welt seit langer Zeit das erklärte Ziel. Im September 2011 starteten wir in Zürich und sind unterdessen durch Brasilien, Paraguay, Uruguay, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Panama, Costa Rica, Belize und Mexiko gereist. Nach einem Zwischenstopp in San Francisco bestiegen wir das Flugzeug nach Hong Kong und bereisen nun China. Der Rest der Reise ist noch ungeplant, wir liebäugeln als nächstes mit einer Tour durch die Mongolei. Keine Angst, die „Planlosigkeit“ ist Normalzustand für uns – ich nenne es „agiles Reisen“ was wir betreiben.

Als mir Nina schrieb, ob ich nicht etwas von unserer Reise fürs VBC A-A Clubblättli schreiben könne, sagte ich natürlich zu. Wir gingen schliesslich zusammen in Andwil zur Schule und lernten bei Richi Stolz Volleyball spielen – wie könnte ich da Nein sagen? Ach ja, falls mich ein Lesender nicht kennt: Ich war bis vor einiger Zeit selbst im VBC A-A aktiv. Dank hunderten Turnhallen-Stunden habe ich jetzt hier die Ehre. Okay, wo fange ich an..?

Vor unserer Reise stellten wir fest, dass wir uns nicht auf eine fixe Route festlegen wollten. Was, wenn wir irgendwo mehr Zeit brauchen als angenommen oder plötzlich Lust auf andere Destinationen bekommen? Ausserdem waren wir ehrlicherweise einfach zu faul, um uns mit langwieriger Recherche schon vor Reisebeginn auseinanderzusetzen. Mal losgereist, hatten wir schliesslich alle Zeit der Welt. So schauten wir als Vorbereitung nach der besten Reise-Jahreszeit in unseren favorisierten Destinationen und kauften einen Stapel Lonely Planet Reiseführer. In Zentralasien hätte der tiefe Winter gewartet, in Südamerika war warmer Sommer. Somit war die Richtung um die Erdkugel festgelegt und der Flug nach Brasilien gebucht… Mit unseren Erlebnissen möchte ich nun nicht ins Detail gehen, darum hier ein paar Highlights, die ich nicht missen möchte.

Durch einen der allerschönsten Nationalparks, Torres del Paine in Chile wandern. Das beste Rindfleisch der Welt in Argentinien und Uruguay essen. Mit zitternden Knien zum Barbier in Bolivien gehen. Überrascht entdecken dass die peruanische Küche schlicht weltklasse ist. Unter tausenden Pinguinen an der Küste bei Punta Tombo rumwatscheln. In jedem Land von Leuten angestarrt werden, als ob sie noch nie einen Menschen über 1.90m gesehen hätten. Die ganze Palette spanischer Fluchwörter hören beim Lucha Libre Wrestling in Guadalajara. Mit runtergeklapptem Kiefer vor Naturwundern wie den Iguazu Wasserfällen oder dem Salar de Uyuni stehen. Riesige Eisbrocken vom Perito Moreno Gletscher abbrechen und in die Tiefe stürzen sehen. Im Zentrum einer kleinen Insel in Panama auf Kuna Yala Indianer treffen, die in Flipflops auf einem Feld aus Beton Volleyball spielen. Mit den (x-mal verfluchten) Touristenmassen die neuen Weltwunder wie Cristo Redendor, Machu Picchu oder Chichén Itza besuchen. Kaum zu übertreffenden Kaffee in Kolumbien trinken. Noch nie gesehene Tiere im Amazonas und in Costa Rica beobachten. Mich zum achtundfünfzigsten Mal im Restaurant fragen: „Was hab ich hier bestellt? Das ist verdammt lecker!“

Schön an einer Reise zu zweit ist, dass man nicht nur die schönen Erlebnisse, sondern auch die harte Arbeit (oh ja, auch die gibt es) teilen kann. Beispielsweise sucht jemand die nächste Unterkunft, der andere recherchiert für den Transport. Bei Uneinigkeiten wird demokratisch abgestimmt (geht immer schief zu zweit) und derjenige mit dem härteren Kopf gewinnt. So sind wir unterdessen ein eingespieltes Reiseteam. Langweilig wird es nie, da es immer Neues zu sehen und zu planen gibt. Dank Skype und E-Mail funktioniert zudem die Verbindung nach Hause zu Familie und Freunden wunderbar – mit jedem Kontakt in die Schweiz reduziert sich das Heimweh wieder ein wenig. Eine solche Reise zu wagen würde ich jedenfalls jedem empfehlen – jeder Tag ist wieder ein kleines Abenteuer und lehrt einem ein grosses Stück Leben.

Wann kommen wir denn wieder zurück in die Schweiz? Ein Datum können wir nicht nennen, wir möchten jedoch Weihnachten wieder daheim feiern. Bis Ende Jahr schicken wir bis dahin liebe Grüsse aus der weiten Ferne in die Schweiz!

Pädi (mit Francesca und Tigerente)

Von Pädi | 2 Kommentare | Kategorie(n): Allgemein

16. Sep
2012

Pandas und Krieger in Xi’an

PandaChinesische Städte sind riesige Baustellen. An fast jeder Ecke wird entweder gerade ein monströses Gebäude abgerissen oder irgendwas Neues hingebaut. So kam es auch in Xi’an, dass wir ein gutes Restaurant suchten (besteht gemäss Lonely Planet seit 100 Jahren und ist sehr beliebt bei den Einheimischen) und an besagter Stelle nur einen leeren Platz vorfanden. Hier stand es also einmal, das gute Restaurant. Gut, es gab in der Nähe natürlich viele Alternativen. Doch dies war einmal mehr ein Paradebeispiel dafür, dass ein zweijähriger Reiseführer in einem schnelllebigen Land wie China ganz einfach nicht mehr zu gebrauchen ist.

Xi’an präsentierte sich uns ansonsten als erstaunlich fertig gebaut. Wir wagten es sogar, die Stadt als schönste von uns besuchte in China zu bezeichnen. Denn man stelle sich vor: Hier wurde begriffen, dass man für sooo viele Chinesen auch etwas breitere Fussgängerzonen bauen muss. Symphatisch! So gings los durch die Stadt, einmal quer durch das muslimische Quartier die etwas andere Küche der Hui-Chinesen (mit Kopftuch und Käppli) ausprobieren und auf eine witzige Tandem-Tour auf der langen Stadtmauer von Xi’an.

Neben dem obligatorischen Besuch bei der Terracotta-Armee stand auf unserer Liste für Xi’an noch etwas, das wir nicht verpassen wollten: Pandas kucken! Weil sich dies in der Wildnis ziemlich schwierig gestaltet, beschränkten wir uns auf ein „Rescue Center“ in der Nähe Xi’ans. Dort werden Pandas die sich verlaufen haben (oder so) aufgepäppelt und irgendwann wieder in die Wildnis entlassen. Es gab da auch andere bedrohte Tierarten zu sehen, z.B. einen Ochsen mit goldgelbem Fell, von Francesca liebevoll „Pädi-Tier“ genannt („der hat so einen langen Kopf wie du“). Jaja. Die anderen Tiere hatten jedoch einen ziemlich schwierigen Stand neben den knuffigen Pandas. „Ui, er knabbert Bambus, guck! Er schaut uns an, süss! Jetzt knabbert er wieder Bambus, oooch!“, standen wir entzückt vor dem Gehege. Wir haben jetzt den schönsten Chinesen gesehen: Er ist schwarz-weiss.

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien