29. Aug
2012

Darf ich vorstellen: Unsere neuen Reisegspänli

„Fährt ihr auch in die Mongolei?“ Diese erste Kontaktaufnahme mit Nina & Reto beim Anstehen für das Visum vor der Mongolischen Botschaft in Beijing wirkte wohl etwa so plump wie wenn der Sitznachbar im Flugzeug fragen würde: „Fliegen sie auch nach Zürich?“. Unsere Frage war natürlich nicht ganz ohne Hintergedanke. Bucht man in der Mongolei eine Tour zu viert, kommt man pro Person um einiges günstiger als zu zweit. So verhielten wir uns den beiden Schweizern gegenüber besonders nett, viel netter als wir charmanten zwei sonst schon sind. Unsere Masche zog, die beiden sagten uns für die Tour zu. Also gings los zusammen mit Nina aus dem Züri Oberland („Mönchi“) und Reto aus St. Moritz.

Später sollte sich herausstellen, dass die beiden zuerst doch ein wenig skeptisch waren. „So nett ist doch niemand, die sind bestimmt von einer religiösen Sekte und wollen uns bekehren oder vielleicht ein fieses Mörderpärchen“, dachten sie sich. Nein meine Lieben, wir fanden euch einfach sehr sympathisch (und, ähm, wir wollten Geld sparen). Schnell stellte sich heraus, dass wir gar nicht so schlechte Reisegspänli ausgewählt hatten. Es gab viel Gesprächsstoff: Die beiden reisten zuvor ein halbes Jahr durch Süd-, Mittelamerika und Alaska und mit den „gemischten Gefühlen“ den Chinesen gegenüber hatten wir bereits eine weitere Gemeinsamkeit. Mit ziemlich ähnlichen Ansichten über das Reisen gabs wenig Konfliktpotential und wir verbrachten drei Wochen in der Mongolei mit den sympathischen beiden.

Natürlich mussten unsere Reisegspänli irgendwann auch mal bemerken dass wir nicht nur eine nette Seite haben. So brachte ich ihnen arschige Sprüche bei wie „Das kann unmöglich mein Problem sein“ oder „Tja, für mich stimmt’s.“. Und obwohl die beiden erst über „all die langweiligen Reiseblog-Schreiber“ lästerten („Ach ihr habt einen Reiseblog? Der ist bestimmt mega interessant.“), war Nina eines Tages nach ein paar Schlückchen mongolischen Vodkas plötzlich ganz angetan von der Idee, einen Gastbeitrag auf unserem Blog zu veröffentlichen. Man darf also gespannt sein.

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): Allgemein, China, Mongolei, Nordostasien

26. Aug
2012

Ein wenig Europa in Ulaanbaatar

Unsere Flucht aus China ist geglückt. Über die schöne Transmongolia-Strecke zwischen Beijing und Ulaanbaatar sind wir gut in der Mongolischen Hauptstadt angekommen. Nach ersten Kontakten mit den Mongolen sind wir begeistert. Hier spricht man ein wenig Englisch und die freundlichen Leute lächeln auch mal. Kein Vergleich zu unseren letzten Erlebnissen im grossen Nachbarland wo vor lauter Starren das Lächeln vergessen geht.

In unserer Euphorie schauten wir erstmal darüber hinweg, dass Ulaanbaatar ein wahrhaftig hässlicher Ort ist: Verkehrschaos und Baustellen beherrschen die ganze Stadt. Doch wir waren sehr leicht zu blenden. Denn es gab Brot. Frisches Brot! Ja, trotz dem eigentlich guten Essen in China waren wir überglücklich, uns zum Frühstück in „Michelle’s French Bakery“ kleine Baguettes mit Butter und Konfi genehmigen zu dürfen. Im Einkaufszentrum staunten wir dann nicht schlecht, dass der Hauptteil des Sortiments aus Deutschen Produkten bestand. Die Mongolen können mit den Aufschriften „Saftbock-Würstchen“, „Frucht-Müsli“ oder „Fischer Gewürzgurken“ wohl tatsächlich etwas anfangen. Damit aber noch nicht genug Europa. Im „Kaffee Sacher“ gabs, um sich ganz wie in Wien zu fühlen, Käsekrainer und Kartoffelsalat. Wos fia Schmaus!

Die Wartezeit auf unsere Schweizer Reisegspändli Nina & Reto verkürzten wir uns mit einem Besuch beim Lama-Tempel. Lamas, dies sind nicht die spuckenden Tiere sondern die buddhistischen Mönche. Darum auch „Dalai Lama“, kennsch? Da es in den heiligen Stätten vieles falsch zu machen gibt (bei meinem zweiten Schritt stand ich anscheinend bereits auf einem wichtigen Teppich, wo ich nicht stehen sollte), guckten wir uns die Tempel hauptsächlich von aussen an. Nicht dass wir es uns mit den lieben Mongolen bereits verscherzen.

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): Mongolei, Nordostasien

22. Aug
2012

Mit dem Zuge

Auf in die Mongolei, aber erst nachdem wir in Beijing auf der mongolischen Botschaft das dazugehörige Visum und die dazugehörigen Reisebegleiter aufgegabelt haben. Fürs Visum mussten wir bezahlen, die Reisebegleitung kam trotz recht plumper Ansprache („hallo, wie wir unschwer erkennen geht ihr auch in die Mongolei, wir suchen noch zwei Leute für unsere Tour, wollt ihr mit uns kommen, so wird es billiger“) freiwillig mit uns mit. Zu unserer neu errungenen Reisebegleitung in einem späteren Blogpost mehr.

So standen wir also am Gleis 4 und freuten uns auf die 30 stündige Zugfahrt. Echt jetzt – einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren, wer wollte das noch nie? Ein wenig geschummelt haben wir da, es ist genau genommen eigentlich die Transmongolische Eisenbahn, aber eben, wer kümmert sich schon um Details?

An der Grenze gabs für jeden Zugfan noch mächtig Unterhaltung. Denn dummerweise fahren die Chinesen auf anderen Gleisen als die Mongolen… Lösungsvorschläge bitte! Zug wechseln? Viel zu einfach. Gleiche Gleise bauen? Immer noch zu einfach. Strengt euch an… Nicht? Fahrgestellwechsel heisst die simple Lösung… Da heben sie in einer Abstellhalle mal kurz (oder lang) alle Waggons hoch und wechseln das ganze Gestell mit Rädern aus. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Mongolei, Nordostasien

19. Aug
2012

Was nun?

So, wir sind endgültig reif für einen Break von China. Wie unschwer an unseren letzen Berichten zu erkennen war, hat China uns bis jetzt nicht umgehauen, sondern uns auf die wohl härteste Probe seit Beginn unserer Reise gestellt. Ständig im Konflikt, ob wir fluchtartig das Land verlassen sollen oder uns doch noch geduldig nach Highlights umsehen sollen. In meinem Kopf spielte sich das stets so ab:

 

Das Teufelchen China flüstert: Ha, wie lange brauche ich wohl noch, bis sie total am Ende das Land verlassen und mich bestimmt keinem anderen Reisenden mehr weiterempfehlen?

Das Engelchen China ungläubig: Waaas? Die mögen unser Essen viel zu sehr, als dass sie einfach darauf verzichten können.

Das Teufelchen China empört: Pah! Ein Zugticket mehr und ich hab sie an dem entscheidendem Punkt, glaube mir!

Das Engelchen China säuselt: Ach was, die Zwei sind geizig. Die haben doch tatsächlich ein Visum gekauft, das sie zu zweimaligem Eintritt ins Land berechtigt. Meinst du wirklich, die lassen das einfach so verfallen?

Das Teufelchen China boshaft: Wenn wir noch ein bisschen mehr spucken, starren und herumurinieren – dann schon.

Das Engelchen China versöhnend: Aber sie mögen warmes Wetter.

Das Teufelchen China widersprechend: Aber bestimmt nicht heiss-feuchtes Wetter.

Das Engelchen China überzeugt: Und ausserdem wollen die es bestimmt nicht auf sich sitzen lassen, dass sie es nicht ein zweites Mal bei uns versucht haben. DIE zwei ganz bestimmt nicht!

Euch soll gesagt sein, Engelchen China hat verdammt recht – aber erst nach der Pause.

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): China, Nordostasien

15. Aug
2012

Beijing – Teilen mit den Touristen

Nach der Riesenstadt Shanghai musste ja noch eine Steigerung drinliegen, die Superlative Beijing. Mensch Meier, die Menschenmassen scheinen einen erdrücken zu wollen… Ganz deutlich merkten wir das in unserem Touriprogramm. Verbotene Stadt? Tiananmen-Platz? Himmelstempel? Vogelnest-Stadium? Sommerpalast? Muss man gesehen haben. Früh morgens oder nachmittags? Macht keinen Unterschied, massig Chinesen hat es IMMER und ÜBERALL. Hat es irgendwann weniger Menschen, fragten wir uns? NEIN, die klare Antwort darauf!

Des Chinesen erstes Urlaubsziel schien ein Foto eines Westlers. Sie machten sich einen Spass daraus, in grossen Gruppen vor uns hinzustehen und uns wie im Zoo abzufotografieren. Klick, klick. Schnell weiter. Klick, klick. Wohin sollen wir? Klick, klick. Ziemlich bald waren Schulklassen unsere Feinde Nr. 1 (was wollen die bloss mit unseren Köpfen auf ihren Fotos?). So bestand unser selbsternanntes Ziel in Beijing darin, den Menschenmassen irgendwie auszuweichen.

So schlenderten wir ziellos durch die alten Gassen Beijings, vorbei an Frauen, die sich am Strassenrand die Haare wuschen, stinkenden Gemeinschaftstoiletten und zockenden, rauchenden Chinesen. Gestarrt wird immer noch, aber hey, wir werden besser im Zurückstarren.

Die Grosse Mauer wollten wir deswegen nicht mit der grossen Masse teilen und machten uns auf, ein etwas unbekannteres Stück zu erklettern. Wie sich schnell herausstellte mit Erfolg. Weit und breit keine Menschenseele, die Mauer fast nur für uns alleine. Gut weiss der Schweizer, dass der Chinese lauffaul ist – zumindest noch ein birebitzeli lauffauler als ich…

Kulinarisch machten wir keine grossen Hüpfer (haben wir das je?), obwohl es an Möglichkeiten nicht mangelte. Vor allem am Nachtmarkt wurde alles angeboten, was das Herz bestimmt nicht begehrt. Wer hätte nicht Lust an einem Seestern zu knabbern , sich von Heuschreckenbeinchen am Gaumen kitzeln zu lassen oder sich die Seidenwürmer auf der Zunge zergehen zu lassen. Nein? Wir auch nicht.

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien