31. Jul
2012

Yangshuo auf Umwegen

Von Guilin aus wagten wir einen Abstecher nach Yangshuo. Nein, nicht mit dem Zug, sondern mit einem „echten“ Bambusboot über den Li Fluss. Wooow, hab noch nie blauen, plastifizierten Bambus gesehen, den müssen sie hier irgendwo im Geheimen züchten… An Extravaganz nicht zu übertreffen.

Die Fahrt auf dem Fluss belohnte uns mit toller Landschaft. Die umliegenden Karststeinfelsen mit leichtem Dunst behangen, gaben dem Ganzen noch einen mystischen Touch. Hätte uns die Tourleiterin nicht alle fünf Minuten eine weitere, noch spannendere und viel billigere Tour andrehen wollen, ich glaube wir hätten es sogar genossen auf dem Boot.

In Yangshuo dann, bezogen wir unser Top-Quartier für die nächsten Tage. Für sagenhafte 12 CHF bekamen wir also ein Doppelzimmer mit Bad, Klimaanlage, TV (mit Livezeit-Übertragung des EM-Finals, aber das ist ein anderes Thema…), Wifi UND einem Wasserkocher (den uns angedrehten Tee vom Tea-Master mussten wir ja irgendwann auch schlürfen). Und das Zimmer sah auch noch anmächelig aus. Glück soll man ja hie und da haben.

Yangshuo ist bevölkert, nein überbevölkert von Touristen. Chinesischen natürlich, nicht dass man sich ein falsches Bild von China macht. So genossen wir, wie alle anderen auch einen Bierfisch – Pädi durfte den armen Kerl im Aquarium auswählen und dann kam er gelyncht und zerschnibbelt auf dem Teller zurück. Auch von der lokalen Ingwer-Zucker-Süssigkeit konnten wir die Finger nicht lassen, sauscharf und macht sausüchtig.

Auf den Magen geschlagen hat es uns allerdings nur einmal, dafür heftig. Der Besuch des lokalen Bauernmarktes war nichts für unser Tierherz. Obwohl wir keine Vegetarier sind, vermochten uns Hundehaxen mit Krallen und gehäutete Katzen keinen allzu grossen Appetit aufkommen lassen. Das nachfolgend geplante Abendessen wurde kurzerhand auf unbestimmt verschoben.

Mit dem gemietetem Fahrrad wollten wir die Umgebung erkunden. Tandem oder Einzelbike? Also ich wäre ja für den hinteren Sattel auf dem Tandem gewesen, aber Pädi wollte nicht. Ist mir also schleierhaft. Mit Proviant und Landkarte ging es dann los, hinaus aus der Stadt. Hab ich schon erwähnt, dass es einer der heissesten mir erlebten Tage war? Reisfelder, Wasserbüffel, Karststeinfelsen und Tourimassen auf Bambusbooten lenkten uns scheinbar zu fest ab. Wir verfuhren uns gewaltig. Hatten wir da eine Abzweigung verpasst? Oder war die Landkarte nicht korrekt? Es schienen uns sowieso beunruhigend wenige Wege eingezeichnet… Eine ganz entzückende Angewohnheit der chinesischen Land- oder Stadtkarten, dass sie niemals (!) alle möglichen Wege aufzeichnen, man könnte es sonst noch glatt für einfach halten, den Weg selbst zu finden. Aber wie Pädi zu sagen pflegt: Umwege erhöhen die Ortskenntnisse. Na dann werden wir am Ende unserer Reise China wie unsere eigene Westentasche kennen.

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien

28. Jul
2012

Zugtickets – Zweiter Akt

Propaganda PosterAchtung. Der nachfolgende Artikel handelt von einem Thema, das sich für uns zu einem Dauerbrenner entwickelt hat (im negativen Sinn): Vom Zugticketkauf in China. Um den Text in authentischer Weise zu lesen, bitte mindestens nach jedem Satzende einen lauten Fluch ausstossen. Danke.

Der Kauf von Zugtickets wurde uns auch in Guilin nicht einfacher gemacht. Hier spielte sich unsere Odyssee folgendermassen ab.

In unserem Hostel fragten wir nach, wo wir denn bitte Zugtickets nach Shanghai kaufen können. Ja, das Büro von CITS sei nicht weit, da gäbe es die Tickets problemlos. CITS (China International Travel Services) tönt ja irre vertrauenserweckend, auch wenn die Chinesen den Begriff „International“ etwas inflationär in ihre Organisationsnamen einflechten. Bei CITS gabs jedoch keine Tickets, nur fragende Blicke. Und einen Zettel mit etwa 20 chinesischen Schriftzeichen drauf. Ja, das sei ein Name eines Hotels, dort können wir die Tickets kaufen. Wir suchen also Guilin ab nach diesem Hotel und werden irgendwann fündig. Dort an der Reception kommen wir nur mühsam mit dem Mandarin/Englisch Büchlein weiter. Statt uns zu helfen, werden zwischendurch mit Vorzug die vordrängelnden, chinesischen Gäste versorgt. Ach ja, die Tickets könnten wir dann draussen an der Ecke bei einem offiziellen Ticketverkauf-Kabäuschen kaufen. Super, gehen wir also da hin. Endlich am Ziel angelangt heisst es dann: „Train full“. [Anmerkung: Hier bitte einen extra-lauten Fluch einbauen.]

Sauer wie Zitrone stampfen wir also nach einem halben Tag rumeiern ohne Tickets zurück ins Hostel. Die Dame an der Reception fragt noch nett, ob es denn geklappt hätte mit dem Kauf. Wir antworten schweizerisch höflich: „Leider, nein.“ Sie meint darauf, sie könne für einen kleinen Aufpreis übrigens auch Tickets buchen (da gibts Agenturen die Ticket-Kontingente zusammenkaufen). Vielen Dank liebe Frau, bei den nächsten Gästen bitte ein BIRREBITZELI früher damit rausrücken!

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): China, Nordostasien

25. Jul
2012

Zum Coiffeur in China?

GuilinWährend unserer Zeit in China würde ja mal wieder ein Besuch beim Frisör anstehen. Nach einem prägenden Erlebnis vor der Glasfront eines Coiffeur-Salons in Guilin werde ich mich jedoch davor hüten, mich von einem Chinesen frisieren zu lassen. Vorher tu ich das bei Dschingis Khan in der Mongolei. Die Szene ist nur schwierig zu beschreiben: Da stehen im Salon etwa 10 Angestellte mit ernster Miene stramm in Reih und Glied, vor ihnen die Chef-Frisösin. Die Chefin schreit etwas, die Angestellten brüllen gemeinsam zurück. Dann folgt das Marschieren an Ort und Stelle, das Stampfen mit den Füssen und Kampfbewegungen mit den Armen, natürlich schön synchron und immer noch in Reih und Glied. Wieder Kampfschreie des Generals, und postwendend die laute Antwort der Soldaten. „Wie im Militär“, denke ich mir noch im einen Moment, im anderen setzt lüpfige Musik ein. Nun tänzeln die Angestellten plötzlich locker flockig an ihrer Position vor sich hin, singen lauthals mit und grinsen in der Gegend rum. Francesca und ich schauen uns nur kopfschüttelnd mit offenem Mund an und beginnen zu lachen. Was das Ganze sollte, darüber können wir bis heute nur spekulieren. Verordnetes Warm-Up oder gemeinsames Arbeitsbeginn-Ritual? Wir werden es wohl nie herausfinden.

Die Chinesen starren uns ja sehr gerne an. Was noch viel beliebter ist als das Starren, ist das heimliche Fotos knipsen von uns. Naja, „heimlich“ ist nicht ganz richtig, aber dazu vielleicht später mal mehr. Die unangefochtene Königsdisziplin ist hier natürlich, ein Foto von sich selbst mit uns drauf zu haben. So fragte mich in Guilin vor dem See mit den schönen Pagoden ein stolzer China-Papa mit seinem Sprössling: Foto? Nein, ich solle kein Foto von ihnen machen, er wolle eins von mir mit seinem Kleinen. Ich steh also da am Ufer, grinse in die Kamera und halte den Kleinen auf den Beinen damit er nicht vorneüber auf die Nase fällt. Dieser findet es überhaupt nich lustig und schreit wie am Spiess. Papa und Mama knipsen unterdessen strahlend Fotos vom grossen, bärtigen Westler, der irritiert aber mit breitem Grinsen ihren Jungen hält. Was die Eltern bei der Ferienfoto-Diashow im Kreis ihrer Familie wohl bei dem Foto erzählen werden? Ich wills nicht wissen.

Von Pädi | 6 Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien

21. Jul
2012

Von Sprachbarrieren und Schweinehirn

Hot Pot in GuilinEnglisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch nützen beim Reisen in China herzlich wenig. Zum Glück hatten wir uns noch ein kleines Wörterbuch Mandarin/Englisch zugelegt. So konnten wir uns auf der Nachtzugfahrt nach Guilin mit Händen und Füssen wörtchenweise mit unseren Mitreisenden im gleichen Abteil austauschen. Mit Geräuschen und Gesten kommunizierend kamen wir uns zeitweilig vor wie Kleinkinder im Sandkasten. Trotzdem schafften wir es immerhin dank Weltkarte im Lonely Planet unsere Reiseroute zu beschreiben. Und die nette Chinesin zeigte uns im Gegenzug auf ihrer Kamera stolz ein Video von ihrem kleinen Hund, in dem er vor dem Fernseher sitzt und zu einem chinesischen Musikvideo mitjault. Trotz Sprachbarriere war dies eine ganz witzige Zugfahrt.

Wie wir gehört hatten, sollte Guilin ein ziemlich touristischer Ort sein. Nur fragten wir uns ein paar Stunden nach der Ankunft, wo denn die ganzen Touristen sind. Wir stellten fest, dass die grosse Masse der Touris Chinesen sind, ausländische Reisende waren in der Stadt kaum anzutreffen. So verwunderte es nicht, dass in den Restaurants die Speisekarten auf Chinesisch oder nur in schlecht übersetztem Englisch vorhanden waren. Was versteht man zum Beispiel unter der Speise „Old Mothers Guilin“? Wir hoffen mal, irgendetwas nach Grossmutters Art und kein Oma-Gschnetzeltes. Probiert haben wir es nicht, sondern haben uns schön an die Speisen gehalten, bei denen wir auf die bunten Bildchen in der Karte zeigen konnten.

Mutig wagten wir uns in Guilin in ein Hot Pot Restaurant. Hot Pot (den chinesischen Begriff weiss ich nicht mehr) wäre bei uns das Fondue Chinoise. Na, von wo kommt wohl der Name? Die Bedienung drückte uns sogleich die riesengrosse Liste zum Ankreuzen der gewünschten Zutaten in die Hand. Glücklicherweise bekamen wir direkt eine englische Liste – wir waren die einzigen Nicht-Asiaten im Restaurant. Normalerweise probieren wir auf unseren Reisen gerne lokale Spezialitäten aus, in China verfahren wir da aber etwas anders. Esel, Taube, Hund, Schweinehirn und diverse Innereien liessen wir gerne beiseite und kreuzten nur einigermassen Bekanntes an. Die Überraschungen blieben so aus und das Essen war lecker. Etwas irritiert waren wir nur durch die anderen Gäste, deren Essen beinahe kalt wurde vom ständigen Rüberstarren zu uns. Machten wir etwas falsch beim Essen? Wir denken nicht, denn wir schielten zuvor unauffällig zu den anderen Tischen um das Hot Pot Prozedere abzugucken. Nun ja, es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass uns die Chinesen „intensiv mustern“.

Von Pädi | 2 Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien

16. Jul
2012

Guangzhou oder „Wie kaufe ich ein Zugticket“

Mit dem Schnellzug von Hongkong nach China. Was in Hongkong noch ein Leichtes war, sich mit einem Zugticket zu brüsten, wurde in Guangzhou zu einem bitteren Kampf. Dazu gleich. Guangzhou. Eigentlich wollten wir ja gar nicht dahin. Wieso sind wir denn dahin? Ja weil eben dummerweise kein Zug direkt nach Guilin, dem nächsten von uns gewünschtem Halt, fährt. Also ein Halt im Städtli dazwischen. Das Städtli entpuppte sich als 10 Millionen-Stadt… 1. Päng!

Okay, ruhig Blut. Am besten nehmen wir uns ein Hostel nahe dem Bahnhof, so können wir abends rasch Billete kaufen und nächstentags sind wir ruckzuck am Gleis. 2. Päng! NIEMAND (also kein Ausländer) kauft einfach so mal schnell ein Zugbillet in China. Da geht man als unwissender Tourist mit seinem „Mandarin-für-Anfänger“-Büechi (obwohl in Kantonesischer Region!) in Richtung Bahnhof. Ah ja, da oben stehts in Englisch sogar geschrieben: Tickets. Ganz einfach. Dem Wegweiser und den Menschenmassen folgen. Da stehen wir nun in einer Halle im ersten Stock des Gebäudes. Ah rechts. Hää? Wo sind denn diese Schalter hin? Moment mal, da steht erneut Tickets und der Wegweiser zeigt eindeutig nach unten. Nachdem wir das ganze Gebäude besichtigt hatten, fanden auch wir noch den Weg nach unten. Viele Wege führen zum Ticketschalter…

Dort traf uns dann fast der Schlag. Riesige Halle, erdrückend heiss, erdrückend laut, erdrückend voll mit Chinesen, erdrückend viele Schalter und erdrückend lange Schlangen davor. Am erdrückendsten fand ich dann ehrlicherweise die tollen Anzeigetafeln oberhalb der Schalter. Uns kam das Ganze total Chinesisch vor. Jede Anzeigetafel hatte andere Schriftzeichen und keines sah so aus, wie das von Guilin hätte aussehen müssen. Wieder ruhig Blut. An welcher Schlange sollen wir uns anstellen? Machen wir etwas falsch, wenn wir einfach irgendwo anstehen? Sollen wir jemanden um Hilfe bitten? Irgendjemand von den hunderten, wartenden Menschen wird ja Englisch können. Wen soll ich fragen? Wie erkenne ich, ob jemand ein paar Brocken Englisch spricht? Ja die da, mit der intelektuellen Brille. „Excuse me, could you help me?“ Der Blick der Dame verrät mir schon alles bevor sie den Mund aufmacht. Okay, dann eben nicht. Das junge Fräulein nebenan mit der hippen Frisur vielleicht? Anfängerpech.

Will uns denn niemand verstehen? Alle starren, niemand hilft. Änderung der Taktik: „Ni hao (hallo), tschu tschu (Zug in meiner Kindersprache) Guilin (die gewünschte Destination)?“ Sie starren noch immer, spreche ich es falsch aus? Ich rufe „Guilin? Guilin?“. Niemand scheint zu begreifen, was ich schon in deutlicher Verzweiflung und mit Anstrengungsschweiss bezwecken will. Erneuter Taktikwechsel: das Mandarin-Büechli mit herzigen Bildern (wie z.B von einem Zug). Ich zeige wie wild darauf und hole mein „Guilin!“ wieder hervor. Dreht sich bereits die ganze Halle nach uns um? Wir scheinen der fleischgewordene Albtraum eines jeden Chinesen zu sein.. Dann die Erlösung. „Need help?“ Ich hätte den jungen Herrn knutschen können. Er half uns nicht nur in die richtige Schlange, sondern stand dort mit uns an und informierte netterweise auch noch die Dame am Schalter, was wir wollen. DANKE!

Das Ticket in den fast nicht mehr zittrigen Händen haltend, das Herz wieder in der Brust spürend, mussten wir merken, dass der morgige Zug nicht von diesem Bahnhof geht. Guangzhou hat vier Bahnhöfe. 3. Päng!

Von Francesca | 2 Kommentare | Kategorie(n): China, Nordostasien