27. Apr
2012

Zurück an Land in Panama City

F&F Tower in Panama CitySo eine Fingerverletzung beeinträchtigt die Reiseaktivitäten ziemlich. Dass ich mich mit der frischen Wunde auf unserem Segeltrip nicht zum Schnorcheln ins Wasser wagen konnte, liess mich nicht gerade freudige Luftsprünge machen. Als wäre dies nicht schon Strafe genug, trieben die Kunas inmitten auf einer ihrer bewohnten Inselchen meinen Lieblingssport. Man stelle sich vor: Da steht im Zentrum der Insel nicht etwa eine Kirche, nein da steht ein Volleyballfeld. Richi Stolz wären bei dem Anblick Freudentränen gekommen. Die Kunas waren gerade beim Training (wie überall auf der Welt gilt auch bei diesen Männern: Training = Ball möglichst fest übers Netz auf den Boden donnern) und ich durfte des Fingers wegen nicht mitspielen. Vielleicht wars aber auch besser so – da wurde in Flipflops oder barfuss auf Betonboden gespielt. Eine Verletzung reicht mir. Ich durfte dafür mit Francesca die Kuna-Mädels quer über die Insel Huckepack tragen. Und auf wem reiten die wohl am liebsten? Natürlich auf dem langen Lulatsch.

Angekommen in Panama City, waren wir froh wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Auch wenn die Beine noch ein wenig schaukelten – 5 Tage Seegang ausgleichen geht nicht spurlos an einem vorbei – gewöhnten wir uns schnell wieder an den Luxus einer Klimaanlage. Und selten haben wir uns so sehr gefreut über eine warme Dusche, eine richtige Toilette und ein grosses Doppelbett. So konnten wir in der Hauptstadt auch gut den Verwandtenbesuch angehen.

Verwandtenbesuch in Panama? Ja, richtig gelesen! Fräulein Pasciuti hat natürlich nicht nur Verwandtschaft im Toggenburg. Da gibt es noch Ruedi, den Cousin von Francescas Grossvater, der seit über 30 Jahren mit seiner Frau Yadira in Panama City lebt. Ruedi, sozusagen Francescas Gross-Cousin, nahm sich zwei Tage Zeit um mit uns die Stadt zu erkunden (Vielen Dank!). So gings ins Casco Viejo, die momentan mit Baustellen übersäte Altstadt, die imposante Skyline angucken und zur Miraflores Schleuse des Panamakanals. Sehr eindrücklich war es zu anzuschauen, wie riesige Öltanker in der Schleuse durch die Gesetze der Physik mehrere Meter angehoben wurden, um die Fahrt durch den Kanal zu starten. Klappt ja alles wie am Schnürchen. Ruedi meinte dazu nur: Wäre schön wenn alles in Panama so gut funktionieren würde wie der Kanal.

Von Pädi | 1 Kommentar | Kategorie(n): Mittelamerika, Panama

24. Apr
2012

Schiff ahoi

Endlich gehts weiter, neues Land, ein neuer Abschnitt der Reise. Rauf auf den gebuchten Katamaran, total euphorisch, ein bisschen Schiffli schaukeln die nächsten Tage mit tollen Leuten. Die Ruhe der See geniessen, in den Netzen hängen, sich von der Meeresbrise kitzeln lassen und schaukeln (wenigstens im sich-schaukeln-lassen haben wir Erfahrung…). So die Vorstellung. Punkt.
Unser Kapitän: Fritz, der Österreicher, der sein Katamaran gerne vollgestopft hat – am liebsten mit Menschen, die bringen noch Zusatzkohle. Lacht gerne, lacht gerne sehr laut.
José: 1. Matrose, Koch und Mädchen für alles, aus Panama. Verwöhnte uns mit Tintenfisch, Roastbeef und morgens mit frischem Vollkornbrot.
2 Amipaare: Nr.1 aka Familie Sauergesicht. Von morgens bis abends sauer und zu jeder Tageszeit mit einem Häkchen anzutreffen, um sich die Rastas „zu pflegen“. Nr.2 dagegen erfrischend angenehm und sehr pflegeleicht.
4 Australier: jung, Männer wie Berge, trinkfest
2 Brasilianerinnen: jeweils im knappen Bikini anzutreffen, sehr zur Freude der Herren an Bord.
1 Argentinier: hatte kein Mate dabei und war nur durch eine Fussballdiskussion aus der Ruhe zu bringen.
Zu guter Letzt – Bobby hat es schon erraten – unsere deutschen Freunde, 3 Männer unabhängig voneinander unterwegs: Nr.1 sehr friedliebend. Aber Uli, die Schweiz ist immer noch nicht das neuste Bundesland… Nr.2 der dauerrauchende Kaminfeger, der sein Glück kaum fassen konnte, als er Tigi live kennenlernte. Nr.3 Herr Jüngling-Besserwisser.
Im Netz hingen wir viel, aber fast genauso viel hing ich nachts auf der Überfahrt über der Reeling… Ein Schaukelbett werd ich mir in Zukunft bestimmt nie mehr wünschen. Die Kojen waren winzig, wenn nicht Klaustrophobie auslösend. Meine Medis liessen mich im Stich, Pädi und der Dramamine/Stugeron-Medimix waren gute Freunde. Zum guten Glück durften/mussten wir auch noch Nachtwache schieben, sprich auf dem Kapitänssitz Ausschau halten nach Eindringlingen (Schiffe) in unser Revier. In unserer Doppelschicht am frühen Morgen wollte niemand auch nur am Horizont auftauchen, nur die Delfine leisteten uns Gesellschaft.
Die Tage nach der Überfahrt verbrachten wir bei den traumhaften San Blas Inseln vor Panama. Sonnend, schwimmend, schnorchelnd. Nur Pädi blieb stets an Board (der Ventilator lässt grüssen) und war aber auch der Einzige, der den fiesen Sandflöhen entging.

Von Francesca | Keine Kommentare | Kategorie(n): Mittelamerika, Panama

20. Apr
2012

Tigi meets Kolumbien

Auch Tigi scheint dieses absolut relaxte Kolumbien genossen zu haben. Von den Schaukelstühlen war sie kaum wegzubekommen.

*schaukelschaukelschaukel*

Von Francesca | 2 Kommentare | Kategorie(n): Kolumbien, Südamerika, Tigi meets...

18. Apr
2012

Hochsicherheits-Cartagena

Sobald ich einen Raum mit rotierendem Deckenventilator betrete, zucke ich zusammen und klammere mich zitternd an Francescas Arm. Um mein Trauma zu überwinden kehrten wir darum zurück ins Hotelzimmerz mit den Blutspritzern an der Decke. Erholt vom Schaukeln in Mompós holten wir einen zweiten Anlauf, die Schönheiten Cartagenas zu erkunden und den Segeltrip nach Panama zu organisieren. Währenddessen drehte der freche Ventilator weiterhin seine Kreise, als wäre nichts geschehen.

Unsere Sicherheit steigerte sich nicht nur durch das Ausschalten des Deckenventilators. Im Hinblick auf den Cumbre de las Americas, zu Deutsch „Amerika-Gipfel“, wurden in und um die Altstadt Cartagenas zur Sicherheit der gut dreissig Regierungschefs des amerikanischen Kontinents rund 14’000 Sicherheitskräfte postiert. Das entspricht knapp der Anzahl Einwohner Appenzell-Innerrhodens. Statt Helebarde und Landsgemeinde-Degen standen hingegen Schusswaffe und grimmige Miene im Einsatz. Der ganze Anlass kurz zusammengefasst: Barack Obama stritt sich mit seinen lateinamerikanischen Gspänli darüber ob Kuba am nächsten Gipfel auch mal mitmachen darf, während sich seine Leute vom Secret Service mit käuflichen Damen vergnügen durften. Respektvolles Miteinander versteht unsereins anders.

Vom vielgepriesenen Cartagena nehmen einen gemischten Eindruck mit. Die Altstadt zwischen den Stadtmauern ist auf Hochglanz poliert und die Touristen übertreffen zahlenmässig die Einheimischen bei Weitem. Der Kontrast zwischen Altstadt und dem nahen Viertel Getsemaní ist jedoch riesig. Am einen Ort wird teurer Schmuck in Boutiquen verkauft, am anderen Kokain auf der Strasse. Hier bietet der Kutscher Rundfahrten durch die Altstadt an, dort die Prostituierte ihre Dienste. Derartige Gegensätze auf solch engem Raum haben wir noch selten gesehen.

Zur Abwechslung vom pikfeinen Cartagena wollten wir uns mal so richtig im Schlamm suhlen. Der 20 Meter hohe Dreck-Vulkan in der Nähe der Stadt gab uns die Gelegenheit dazu. Ich durfte leider wegen meiner Fingerverletzung nur zusehen, wie Francesca sich im Schlamm vergnügte. Bevor sie aber für eine Umarmung aus dem Krater steigen konnte, machte ich mich geschwind aus dem Staub.

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): Kolumbien, Südamerika

14. Apr
2012

Schaukeln in Mompós

Schaukeln in MompósSo, da wir nun ja noch ein paar Tage in Kolumbien bleiben (Deckenventilator sei Dank), haben wir uns gedacht, dass wir nun auch Mompós einen etwas ausgedehnteren Besuch abstatten können. Gedanklich hatten wir das Ganze ja schon geplant, an der Umsetzung haperte es dann ein klein wenig. Unser Besuch fiel zeitgleich auf die Karwoche und so erfuhren wir, dass die Prozessionen in Mompós von allen Ortschaften in Kolumbien am ausgiebigsten gefeiert werden. Billige, freie Hostelzimmer? Fehlanzeige. Teure, freie Hostelzimmer? Fehlanzeige. Ich kam nicht darum herum sie alle einzeln telefonisch abzuklappern, was uns immerhin für die ersten zwei Nächte ein (etwas teueres) Dach über dem Kopf brachte. Und für die nächsten Nächte? Wir liessen es darauf ankommen…

Mompós liegt nicht gerade am Weg, also von Nirgendwo aus. Und egal, wer auch immer dir weismachen will Mompós sei ganz nah und super bequem zu erreichen, dem sei gesagt: Du Schwindler! Hin begannen wir die Reise um drei (03:00!!!) Uhr morgens. Bilanz: Privatauto, Raserfahrer, italienisch-kolumbianische Mitfahrer, 1 Polizeikontrolle, 1 überquerter Fluss, 1 Tier überfahren, 2 Esel fast überfahren. Vier Tage später startete die Rückfahrt nach Cartagena. Bilanz: Kleinbus, Juan-Pablo-Montoya-Busfahrer, internationale Mitfahrer und 2 Hunde, zig Militärposten und keine Kontrollen, 3 überquerte Flüsse, 4 tote Kühe.

Was haben wir zwischen An- und Rückfahrt in Mompós gemacht? Uns unter die feiernden, katholischen Kolumbianer gemischt und viel geschaukelt, sogar sehr viel. Schliesslich ist dieser Ort bekannt für seine Schaukelstühle und deren Einwohner, die nach Anbruch der Dunkelheit ihre Stühle aufs Trottoir schieben und… schaukeln! Man stelle sich bitte uns zwei schaukelnd auf dem Trottoir der Tschudistrasse vor… Toll, nicht?

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): Kolumbien, Südamerika