28. Okt
2011

Das Dschungelcamp

Irgendwann musste es ja soweit sein, dass wir auf einen anderen Reisenden mit auffälligem rotem Pass treffen. Dass derjenige gleich in St. Gallen zwei Strassen von unserer ehemaligen Bleibe wohnt, hätten wir jedoch nicht erwartet. Adrian trafen wir bei der Ankunft in Manaus am Flughafen und weil sich die Ostschweizer doch so gut verstehen gings am nächsten Tag gleich zusammen auf eine mehrtägige Tour in das Amazonasgebiet. In der Reiseagentur tönte das alles sehr flauschig, Lodge im Dschungel mit Hängematte und so.

Die Tour war dann auch im Ganzen ein tolles Erlebnis. Es gab Flussdelfine und Kaimane zu entdecken und eine riesige Vielfalt an noch nie gesehener Vögel. Von unserem kleinen Boot aus fingen wir mit primitiven Angeln und Fleischstücken Piranhas aus dem Amazonas (einige mehr, andere weniger erfolgreich), die wir abends grilliert verspeisen konnten. Auf verschiedenen Treks durch den Dschungel lernten wir dann neben dem „Wie schwitze ich ein Shirt mal so richtig voll bei 95% Luftfeuchtigkeit“ auch einige Überlebenstipps kennen. Auf die Info, dass die gesehene Vogelspinne gut und gerne einen Meter weit springen kann wenn sie ihre Spinnen-Babys bedroht sieht, hätte ich jedoch auch gerne verzichten können. Unser Guide Marcus zeigte uns eine Frucht in welcher eine dicke, nahrhafte Larve heranwächst, nachdem Mama-Larve ihre Eier darin abgelegt hat. Die Frucht selber sei ungeniessbar, von den Larven habe Marcus jedoch in der brasilianischen Army auf den Überlebensübungen täglich 20 Stück sammeln müssen um für sich selbst den Tagesbedarf an Essen zu decken. Räubergeschichte oder nicht? Die Schweizer Armee-Schokolade würde ich den glibberigen Dingern auf jeden Fall vorziehen.

Das eigentliche Abenteuer spielte sich aber kaum auf den Touren, sondern vielmehr in der Dschungel-Lodge ab. Auch wenn nicht gerade eine durchgedrehte Fledermaus (Batman auf Drogen?) ihr Unwesen trieb, hatten wir dennoch einiges an Gesellschaft. Trotz Insektengitter fand ein grosser Haufen kleiner und grosser fliegender Tierchen den Weg zur Lampe in unserer Lodge (diese teilten wir mit ca. 10 anderen Personen). Man konnte sich unter dem eigenen Moskitonetz also schön in den Schlaf surren lassen. Auch das abendliche Duschen im kleinen Bad war eine einzige Riesenparty mit ca. 10’000 fliegenden Partygästen. Wo Licht, da Insekten – irgendwie logisch. Beim Öffnen der Dusche am ersten Morgen habe ich mich dann trotzdem ziemlich erschrocken. Die drei kleinen Frösche anscheinend auch, sonst wären sie nicht kreuz und quer wie wild durchs Bad gehüpft. Wo Insekten, da Frösche musste ich lernen.

Der Strom-Generator wurde abends jeweils zu scheinbar willkürlich gewählten Zeiten ausgeschaltet. Da kam es schon mal vor, dass man noch in der stockdunkeln Nacht alleine unter der Dusche stand. In dieser Situation bewährte sich die mitgebrachte Stirnlampe (danke Heidi und André). Jedoch: Wenn die einzige Lichtquelle des nahen Umkreises an deiner Stirn klebt, ist auch leicht absehbar wo all die fliegenden Kleinviecher rumflattern. Nämlich vor und in deinem Gesicht. So gings jeweils auch trotz genialer Stirnlampe im Eiltempo unter das Moskitonetz zum schlafen. Schlussendlich freuten wir uns wieder sehr über das Zimmer mit eigenem Bad und Aircondition in Manaus.

Von Pädi | 4 Kommentare | Kategorie(n): Brasilien, Südamerika

25. Okt
2011

Von Lagunen und Nüssen rund um Barreirinhas

Kurtaxen. Wir dachten, diese Eigenart gäbe es nur bei uns. Wie wir erfahren durften, existiert sowas ähnliches jedoch auch in Brasilien z.B in Barreirinhas. Hoffen wir doch, dass die von uns kassierten Taxen hier nicht von den brasilianischen Beamten in Caipirinhas, sondern sinnvoll in den Nationalpark investiert werden. Barreirinhas selbst ist nicht zwingend einen Stop wert, von hier starten jedoch die Touren in den schönen Nationalpark Lençóis Maranhenses.

So führte uns ein erster Ausflug mit einem holprigen Gefährt durch Caju-Plantagen bis zu den vielen Lagunen mitten in den weiten Sanddünen des Nationalparks. Mitten in der wunderbaren Sandlandschaft in einer der blau-grünen Lagune zu plantschen war ein echtes Highlight. Auch den zweiten Ausflug mit Bötli auf dem Fluss haben wir dank starkem Mücken-Schutzmittel überlebt. Mein Schutzmittel ist übrigens 100% Natur pur und zudem für mich kostenfrei. Es ist aber nur sehr schwer zu kriegen und trägt den Namen „Francesca“. Sie zieht dankbarerweise immer schön alle Moskitos an, damit sie mir nicht auf die Pelle rücken. Irgendwie versteh ich die Moskitos, denn wer möchte schon an einem Schweizer Wein nippen wenn er gleich daneben literweise Amarone Valpolicella haben kann?

Ein klein wenig neues Wissen konnten wir uns übrigens auch mal wieder aneignen. Denn wir wissen nun, woher die Cashew-Nüsse kommen. Das sind diese hellen, nierenförmigen Nüsse (gibts z.B. gesalzen, geröstet oder bei uns im Studentenfutter). Hier gibt es nämlich eine Frucht namens Caju (sprich: Kaschu) die zu Konfi, Fruchtsaft (hier im Norden Brasiliens sehr verbreitet und an jedem Frühstücksbuffet zu finden) oder ähnlichem verarbeitet wird. Der untere, gekrümmte Stiel wird von der Frucht entfernt und beinhaltet die Caju bzw. Cashew-Nuss. Die Schale dieses Stiels ist giftig und ziemlich hart. Da gibt es anscheinend eine klar definierte Prozedur um an die Nuss zu kommen. Mit meinem Schweizer Sackmesser hab ich das kleine Ding jedenfalls nicht aufgekriegt. Vielleicht hätte ich es geschafft, aber ich wollte Francesca nicht noch eine Verletzung zumuten (sie hat schon etwas böse geschaut, inklusive Kommentar „kannst dich dann selber verarzten“). Hab ich’s halt gelassen – starke Überzeugungskraft nennt man das wohl.

Von Pädi | Keine Kommentare | Kategorie(n): Brasilien, Südamerika

22. Okt
2011

São Luis im Vorkarneval und Sandbanksitzen

Auf unserer Streiftour durch die Stadt kamen wir uns etwas alleine vor. Kaum irgendwo trafen wir Leute an, kein einziger Laden war geöffnet. Wo sollten wir uns Wasser besorgen? Es war uns ja schon bewusst, dass es Sonntag war, doch São Luis am Sonntag scheint noch schlimmer als São Gallen am Sonntag. So langsam kam der Durst, dann auch noch der Hunger und dann war nicht mehr zu spassen mit uns. Da liessen uns die schönsten Kachelhäuser kalt, die es hier in Hülle und Fülle zu besichtigen gibt. Nachdem wir dann doch noch in der hinterletzten fisseligen Ecke ein paar farbige Plastikstühle auf der Strasse erblickten und uns ein Suco/Cerveja genehmigten, konnten wir sogar den für São Luis so bekannten Reggae geniessen.

Etwas später wurde uns klar, warum hier ÜBERHAUPT nichts los war, in São Luis war an diesem Wochenende Marafolía, ein aussersaisonaler Karneval. Da haben die Brasilianer wahrscheinlich etwas über den Durst getrunken am Samstag oder mussten sich mental auf den Sonntagabend-Karneval vorbereiten. Auch wir wollten uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen, da Brasiliens berühmteste Pop-Rockband „Chiclete con banana“ (was soviel heisst wie: Kaugummi mit Banane) spielen würde. Abends nichts wie hin zum Gelände, doch scheinbar gabs hier keine Ticketverkaufsstelle, dafür umso mehr Verkäufer, die uns total schrille, pinke Synthetikshirts andrehen wollten. Auch hier brauchten wir etwas Unterstützung – die T-Shirts waren der Eintritt aufs Festgelände und der Garant, um toll auszusehen :). Die Brasilianerinnen waren da sehr kreativ und hatten ihre Shirts im Vorneherein schon aufgepimpt; da wurde geschnibbelt, gekürzt, genäht, verziert, geschnürt- nur um nicht so 0815 auszusehen, wie wir das taten. Hätte ich doch meine Nähmaschine mitgenommen! Das Highlight war unumstritten der Auftritt der Kaugummis, die auf einem Lastwagen ihr Konzert abhielten und mit ihren überdimensionalen Boxen durch die feiernde, tanzende Menge fuhr.

Nächstentags früh raus, mit etwas kleinen Äuglein. Wir wollten nach Alcântara, quer über die Bucht mit dem Schiff. Genaue Abfahrtszeiten gab es nicht, die Gezeiten bestimmen den Fahrplan. Da wir die Gezeiten noch nicht so kennen, stand das Schiff bereits in den Startlöchern, als wir am Hafen ankamen. Nach 20-minütiger Fahrt kam das Schiff plötzlich ins Stocken. Der Kapitän war tatsächlich auf eine Sandbank gefahren, scheinbar ist er kein Nachfahre von Columbus… Da wir der portugiesischen Sprache noch immer eher weniger mächtig sind, ging es nochmals eine Weile, bis auch wir im Bilde waren. Im Bilde sein fanden wir dann aber etwas weniger toll. Wir mussten auf dem Schiff die noch nicht eingetretene Ebbe abwarten und als Zückerchen dann auch noch auf die Flut – lange 6 Stunden. Während unserem Wartepläuschchen, hatten wir das Vergnügen, einige Brasilianer kennenzulernen, sogar vielsprachige Brasilianer. So plauderten wir in einem Kauderwelsch von Portugiesisch, Spanisch, Deutsch und Englisch und weil sie eine solch gute Gesellschaft waren, liessen wir den Tag mit ihnen am Meer (nicht auf dem Meer) mit Cachaça ausklingen.

Von Francesca | 1 Kommentar | Kategorie(n): Brasilien, Südamerika

18. Okt
2011

Rigorose Sparmassnahmen in Fortaleza

Irgendwo zwischen Pipa und Fortaleza ist leider unser gemeinsames Duschmittel liegengeblieben. Wenn ich mich recht entsinne, steht dieses noch in der Zwergendusche unserer Pousada in Praia da Pipa. „So kann das nicht weitergehen“, dachten wir uns. Wir sind ja schliesslich keine Millionäre, die sich solche Verluste einfach leisten können. Also sind wir vom Premium Creme Douche auf Seife umgestiegen (kommt hochgerechnet günstiger). Was sind wir doch für Sparfüchse! Da nehme ich auch in Kauf, dass mir die verdammte Seife während einer Dusche siebenmal aus der Hand flutscht..

Fortaleza ist mit seinem breiten Strand ziemlich gemütlich, wenn auch keiner der vielen Sonnenbrillenverkäufer bemerkte, dass wir bereits beide eine solche aufhaben. Typischer Fall von „vorbei am Kundenbedürfnis“, denn wir hatten mehr Lust auf was Kühles. So bekam auch die Açai-Beere (man erinnere sich) eine zweite Chance von mir. Als Glace schmeckt Açai zwar besser als in flüssiger Form, trotzdem hab ich noch nicht rausgefunden was daran so toll sein soll. Vielleicht krieg ich das Geheimnis hinter der Beere ja noch raus.

Beim Flanieren an der Beach-Promenade gehörten wir dann zu den etwa 10% der Leute, die NICHT bei > 30 Grad mit Laufschuhen bestückt dem Strand entlang joggten. Die haben wohl irgendwie einen Flick ab in Fortaleza. Oder wollten uns ein schlechtes Gewissen wegen unserem Glace-Konsum machen. Wir zogen uns bei den Temperaturen dann mal lieber einige Stunden lang in das klimatisierte Zimmer zurück. Schliesslich gibt es ja noch einen Blog zu pflegen, Bücher zu lesen und Spanisch zu lernen (Lektion 13 – „In der Kneipe“). Wichtige Dinge für uns zwei Weltenbummler.

Von Pädi | 2 Kommentare | Kategorie(n): Brasilien, Südamerika

15. Okt
2011

Ferien von den Ferien – Praia da Pipa

Nachdem wir nun doch schon beachtlich viele Kulturlektionen hatten seit Reisebeginn, hatten wir uns eine kleine Erholung verdient, und zwar am Strand. Sozusagen Ferien von den Ferien-das soll mal einer verstehen…

Wir kamen in der Mittagshitze an und vergingen schon fast auf dem Asphalt, da war die kleine nette Pousada (Pension) am Strand mit Pool und einer Hängematte vor dem Häuschen (das mit einer tollen Klimaanlage bestückt war) genau das Passendste auf Erden.

So vergingen die Tage mit Entspannen in der Hängematte, die Colibris beobachten, die gerade Nektar aus den roten Blumen schlürften, skypen mit den Lieben Zuhause, dem Strand entlang spazieren, Bücher um Bücher verschlingen, die Zuhause bloss immer zeilenweise beachtet wurden und natürlich haben wir total viel geschlemmt (wenn das bloss nicht auf die Waage geht…).

Damit ich in meiner Rolle als unbeschäftigte Pflegende auch nicht aus der Übung komme, hat sich Pädi quasi eine Skillslektion für mich ausgedacht: Kopf anstossen an Duschkabine, laut nach der privaten Pflegefachfrau schreien, Schwindel angeben und sich hinsetzten, viel Blut am Kopf rausfliessen lassen und fluchen wie ein Rohrspatz („diese kleinen Brasilianer“…“blöde Ecke“…“könnten sie reparieren“…“ich habs kommen sehen“…). Habe die Prüfung bestanden, Patient war tapfer.

Weiter auf der Reise gehts, natürlich in der Mittagshitze, Richtung Fortaleza mit dem Nachtbus.

Von Francesca | 4 Kommentare | Kategorie(n): Brasilien, Südamerika